Fahrbericht: Aston Martin Rapide S

Wer den Namen Rapide bzw. Rapide S das erste Mal zu hören bekommt, wird nicht gleich an ein Automodell eines Herstellers denken. Eher wird man das Wort rapide mit einem Synonym für rasant, schnell oder unverzüglich in Verbindung bringen. Aber mit dem Namen Rapide ist seit 2009 und seit 2013 in der leistungsgesteigerten Variante Rapide S eine Oberklasselimousine aus dem Hause Aston Martin auf dem Markt. Vergleichen lässt sich ein Rapide S mit einer Mercedes S 63, einem Jaguar XJR oder einem BMW M760Li. Aber der Vergleich soll hier nicht Thema sein, sondern ich möchte euch den Aston Martin Rapide S einmal näher vorstellen.

Äußerlich merkt man schon die Ähnlichkeit mit dem Coupé-Bruder DB9. Man sieht die Parallelen zu beiden Modellen ins Besondere in der Front und in der Heckpartie. Diese Ähnlichkeit kommt daher, dass beide Fahrzeuge auf der VH-Plattform basieren. Mit den geschickt gesetzten Lichtkanten und Charakterlinien verbirgt der Rapide S seine gewaltigen Ausmaße (2.989 Millimeter Radstand, 5.020 Millimeter Gesamtlänge). Allein schon das Herausklauben der Griffe zum Öffnen der Türen hinterlässt einen imposanten Eindruck. Die Türen klappen nicht in klassischer Weise auf, sondern schwingen nach oben.

Um es direkt vorwegzunehmen, lässt sich das Interieur zusammenfasst mit „Britischer Maßanzug“ charakterisieren. Nimmt man zum ersten Mal Platz, wird einem direkt der Duft von feinstem Leder in die Nase steigen. Beinahe der komplette Innenraum des Rapide S ist mit Leder bezogen. Ob man das Armaturenbrett, die Mittelkonsole, die Türverkleidung oder die Armauflage berührt, alles vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Mit Blick auf die Nähte wird man feststellen, dass Handarbeit in Gaydon großgeschrieben wird.

Der Anspruch an Qualität und Handwerkskunst zieht sich bis ins kleinste Detail. Man erhält nicht einfach nur einen Fahrzeugschlüssel und muss diesen nicht in ein normales Zündschloss stecken, sondern etwas ganz besonderes. Sicherlich verbirgt sich im Inneren schnöde Großserientechnik, aber bei Aston Martin hat man diese in einer eleganten Verpackung versteckt. Etwas Glas in Verbindung mit Kunststoff ergibt einen eleganten Schlüssel in Bleikristalloptik. Für diesen Schlüssel wäre ein einfaches Schloss zu Schade, daher muss man diesen in der Mittelkonsole in eine Art Glastunnel stecken. Aston Martin nennt diesen „Emotion Control Unit“. Links und rechts davon befinden sich die Knöpfe für das Automatikgetriebe.

Wer jetzt in diesem Fahrzeug eine Vielzahl an Assistenzsystemen erwartet, der wird schnell enttäuscht sein. Man kann eigentlich den Aston Martin Rapide S an dieser Stelle gewissen Purismus unterstellen. Natürlich sind die wichtigsten Systeme wie ABS und ESP an Board. Für Komfort sorgen die beheizten und belüfteten Sitze, Parksensoren samt Rückfahrkamera und ein Navigationssystem. Sicherlich ist der Rapide S jetzt kein technisches Wunderwerk, aber er weiß auch mit anderen Dingen zu überzeugen.

Im genaueren Hinsehen wird man merken, dass das Navigationssystem tatsächlich für den heutigen Standard sehr veraltet ist. Für Technikfans mag das jetzt ein Horror, aber dennoch erfüllt das Navigationssystem seinen Zweck und leitetet einen an den Zielort. Insgesamt ist die Rechenleistung nicht schnell, aber dennoch akzeptabel. So veraltet, wie das Infotainmentsystem jetzt scheint, ist es nun doch nicht, weil einerseits die Radio Wiedergabe über DAB möglich ist und Musik vom Smartphone über USB oder Bluetooth wiedergegeben werden kann.

Das Herzstück und das wichtigste am Rapide S sitzt vorne unter Haube und ist 6.0 V12. Wobei streng genommen handelt es sich bei diesem Aggregat um einen 5,9 Liter starken Zwölfzylinder, aber an dieser Stelle wollen wir mal nicht kleinlich sein. Schon beim Anlassen des Motors wird man von dem sonoren Klang des 12 Zylinders begeistert sein. Ich würde Klang als nicht als aufdringlich aber dennoch präsent beschreiben. Noch unverkennbarer wird der Sound in einer Tiefgarage, schaut dazu unseren Clip auf Instagram an. Bei dem Wort Zwölfzylinder denkt man direkt an hohen Kraftstoffkonsum, aber für die gebotene Leistung ist ein Verbrauch im Mittel von 14,3 Litern durchaus sehr akzeptabel.

Ich halte den Aston Martin Rapide S für einen unterschätzten Traumwagen. Sicherlich ist das Fahrzeug  mit den Zulassungszahlen eher eine Randerscheinung im Straßenbild. Der bärenstarke Zwölfzylinder bietet Leistung im Überfluss. Die Optik des Rapide S steht für Eleganz und ein zeitloses Design. Mit seiner Laufkultur verleitet der 12 Zylinder nicht immer nur zum Rasen, sondern vielmehr zum entspannten Cruisen. Nicht mit technischen Raffinessen weiß der Rapide S zu begeistern, sondern vielmehr mit Stil und Charakter.

Fotos des Aston Martin Rapide S

 

 

 

 

 

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