Review: Blackberry Z30 und Blackberry Q10

Das Blackberry Z30 stellt nach dem Z10 das zweite Touchscreen Smartphone mit Blackberry 10 dar. Das Q10 hingegen ist ein typisches BlackBerry Smartphone mit physischer QWERTZ-Tastatur und Blackberry 10. Wir haben beide Smartphones für Sie getestet.

BlackBerry Q10 und BlackBerry Z30

Hardware

Das Z30 bietet ein 5 Zoll Super AMOLED Display bei einer Displayauflösungvon 1280×720 Pixeln (295 dpi). Das Q10 hingegen bietet ein quadratisches Super AMOLED Display mit einer Auflösung von 720×720 bei 3,1 Zoll Diagonale (330 dpi). Beide Smartphones sind LTE-fähig, haben eine 8 MP Rückseitenkamera und nehmen Videos in 1080p auf. Beide haben 16 GB internen Speicher, der durch eine microSD Karte erweiterbar ist und unterstützen auch NFC. Das Blackberry Z30 läuft mit dem Qualcomm MSM8960T Pro (Snapdragon S4 Pro) bei 1,7 GHz (Dualcore), das Q10 verwendet einen Snapdragon S4 Prozessor mit 1,5 GHz. Das Z30 wiegt mit 170g rund 30g mehr als das Q10 mit 139g. Weitere Technische Daten zum Z30 und zum Q10 können den entsprechenden Produktseiten bei Blackberry.com entnommen werden.

Beide Smartphones fühlen sich trotz Kunststoff hochwertig an. Auch seitens der Verarbeitung gibt es beim Q10 nichts zu kritisieren. Die Tastatur bietet einen definierten Druckpunkt, und die Tasten wackeln nicht. Während das Q10 ein unaufgeregtes, elegantes Design bietet, wirkt das Z30 optisch doch etwas bieder. Die silberne Zierleiste auf der Front ist recht auffällig, ob diese positiv oder negativ ins Gewicht fällt, dürfte Geschmackssache sein. Zwei Aspekte fielen uns beim Z30 negativ auf. Zum einen ist der Akkudeckel nur sehr schwer zu lösen, zum anderen ist die Stummschalttaste überaus empfindlich und. Beim Herausnehmen aus der Hosentasche oder beim wieder Hineinschieben haben wir ziemlich oft diese Taste erwischt. Bei aktiver Musikwiedergabe dient diese Taste auch als Pause-Taste – was prinzipiell zu loben ist – daher ist dies auf Dauer ziemlich störend. Beim Q10 waren diese beiden Punkte jedoch nicht relevant.

Tastatur des Q10 im Detail

Das Q10 hat durch die physische QWERTZ-Tastatur ein offensichtliches Alleinstellungsmerkmal zur Konkurrenz, gleichzeitig sollten QWERTZ-Smartphones BlackBerrys Kerngeschäft darstellen. Das Q10 erinnert von der Optik zwar an Geräte wie dem Bold 9900, arrangiert die Tasten jedoch in geraden Reihen. Die Tastatur fühlt sich klasse an, eine größere Umgewöhnungszeit ist nicht notwendig. Wer beispielsweise von Geräten wie dem Bold kommt, wird sich direkt wohlfühlen. Im Allgemeinen liefen das Z30 und das Q10 ziemlich flüssig. Lags hielten sich beim Multitasking oder beim Wechsel durch unterschiedliche Apps in Grenzen.

Software

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BlackBerry 10

BlackBerry 10-basierte Smartphones wie das Q10, Z30 und zuvor das Z10 benötigen keine separate BlackBerry-Option im Mobilfunkvertrag mehr, um Dienste wie beispielsweise Push-E-Mail zu nutzen. Beide Smartphones haben keinen Homebutton oder andere Softkeys, die Bedienung erfolgt über Gesten. Durch ein swipen vom unteren Rand nach oben kommt man aus jeder App in den Taskmanager. Der Taskmanager zeigt bis zu acht Apps an, öffnet man eine neunte App, wird die älteste automatisch geschlossen. Manche Apps – wie z.B. die Wetter-App und Facebook – zeigen hier auch neue Updates an und werden so zu einer Art Widget. Wischt man nun nach links, öffnet sich die Appliste. Wischt man aus dem Taskmanager nach rechts öffnet sich das BlackBerry Hub.

Das BlackBerry Hub ist im Grunde das Herzstück von BB10. Dabei handelt um eine Unified Messaging App, die unter anderem Anruflisten, Textnachrichten und E-Mail Konten zentral sammelt. Auch Dienste wie Facebook, Twitter, diverse Chat Apps und natürlich WhatsApp können in den Hub integriert werden. Neben einer Sammelanzeige aller relevanten Informationen, können die Benachrichtigungen auch nach App und – sofern vorhanden – nach Ordnern bzw. Kategorien gefiltert werden. Praktisch ist auch, dass bspw. Antworten auch direkt aus dem Hub verschickt werden können. Störend ist hingegen, dass sich die Benachrichtigungen aus Apps nicht immer anpassen lassen. Auf Facebook hat eine private Nachricht beispielsweise dieselbe Relevanz, wie ein Freund der eine bestimmte Seite „liked“. Hier hätte ich mir eine Möglichkeit gewünscht, dies anpassen bzw. filtern zu können. Der Hub kann zwar bestimmte Prioritäten setzen, leider ist dies für den Endnutzer nicht immer transparent welche Meldungen letztendlich eine höhere Priorität erhalten.

Prinzipiell ist der Hub eine klasse Idee, leider ist die Umsetzung noch nicht ganz gelungen. Hier ist zu hoffen, dass BlackBerry nacharbeiten kann. Auffällig ist die Umsetzung des Zurückbuttons. Zwar ist BB10 primär auf die Gestensteuerung ausgelegt, in einigen Punkten findet sich jedoch ein Zurückbutton, bei anderen nicht. Hier wäre eine konsistente Umsetzung zu bevorzugen.

Alles in allem ist BlackBerry 10 das beste Betriebssystem, welches es bisher von BlackBerry gab. Während die Vorgängerversionen noch etwas altbacken wirkten, oder die Touchscreenintegration nicht immer gelang, wirkt nun alles deutlich besser, moderner, sauber. Das neue BlackBerry 10 bietet auch eine neue Autovervollständigung. Auf dem Q10 befindet sich die Leiste – wie auf anderen Plattformen auch – am unteren Bildschirmrand. Auf dem Z30 schweben die Wörter jedoch auf der virtuellen Tastatur und können durch einen kurzen Wisch auf dem entsprechenden Buchstaben nach oben eingefügt werden. Die Wege um ein Wort zu vervollständigen sind dadurch deutlich kürzer. Auch wenn das Anfangs ziemlich ungewohnt ist, gewöhnt man sich sehr schnell daran. Ich habe mich anschließend dabei einige Male erwischt, wie ich auf Smartphones anderer Plattformen ebenfalls nach oben gewischt habe um Wörter einzufügen. Autokorrektur und Autovervollständigung werden im Laufe der Zeit natürlich genauer und sind absolut brauchbar.

Apps

Native Apps

Browser und E-Mail Client sind gut und erfüllen moderne Anforderungen. Der Browser ist Webkitbasiert, stellt Webseiten also wie auf dem iPhone oder Androidgeräten dar und unterstützt sogar Flash. Die vorinstallierten Karten nutzen Bing Maps, welche wiederum HERE von Nokia nutzen. Sprachgesteuerte Navigation ist möglich, jedoch nur mit einer aktiven Datenverbindung.

Beide Smartphones bieten eine 8 Megapixelkamera auf der Rückseite und 2 MP in der Front. Bei Tageslicht ist die Bildqualität beider Geräte gut, bei Dunkelheit bieten beide Geräte typische Smartphonequalität. Für Schnappschüsse reicht die Bildqualität, ambitioniertere Fotografen werden die Kameras anderer Smartphones bevorzugen. Mit der Timeshift-Funktion bieten beide Geräte eine Art Serienaufnahme, aus der dann das beste Bild ausgewählt werden kann. Weiter erkennt die Kamera Gesichter, sodass Geschichtsausdrücke verschiedener Bilder zusammengesetzt werden können. Mit BlackBerry Story Maker können Filme erstellt werden, indem Bilder und Videos verwendet werden, die auf dem BlackBerry-Gerät gespeichert wurden.

Drittanbieter Apps

Beim Start von BB10 waren bereits ca. 70000 Apps verfügbar. Die meisten davon waren jedoch mittelmäßige bis schlecht umgesetzte Androidkonvertierungen. Hier zeigt sich wieder dass nicht die Anzahl von Apps sondern die Qualität der Apps relevant ist. BB10 kann zwar Android-Apps ausführen, diese werden jedoch softwareseitig emuliert und laufen in einer mäßig schnellen Gingerbread (2.3) Umgebung. Viele grundlegende Apps und Dienste sind mittlerweile verfügbar, allerdings gibt es auch größere Lücken im Appkatalog.

Fazit

Betrachtet man das BlackBerry Z30 oder das BlackBerry Q10 für sich – vor allem ohne das App Ökosystem, dann sind beide sehr gute Smartphones. Beide bieten ein flüssiges Betriebssystem und vor allem BlackBerry Hub ist ein Ansatz, der zu Gefallen weiß. Wer beispielsweise von einem älteren BlackBerry umsteigen möchte, sollte mit dem Q10 absolut zufrieden sein. Ein besseres QWERTZ-Smartphone kann ich mir derzeit kaum wünschen. Zudem gibt es auch keine besseren Alternativen, allerdings liegt das auch daran, dass der Markt für QWERTZ-Smartphones sehr übersichtlich ist.

Andererseits haben sich die Softwaretastaturen auf allen mobilen Betriebssystemen mittlerweile so weit entwickelt, dass diese den Hardwaretastaturen kaum noch nachstehen. Das schließt auch die Softwaretastatur des Z30 mit ein. Ist die Tastatur nicht das einzige Kriterium, dürfte auch das Z30 in die nähere Auswahl kommen. Betrachtet man das Z30 müsste man jedoch auch die Alternativen bzw. Konkurrenten mit Android, iOS oder Windows Phone 8 in Erwägung ziehen. Hier dürften Aspekte wie die teilweise bessere verfügbare Hardwareausstattung, eine besondere Kamera oder natürlich auch die größere Appauswahl Endkunden eher ansprechen als ein gelungenes Unified Messaging Hub. Das Z30 ist ein gelungenes Smartphone mit einem angenehm großen 5“ Display, andererseits fehlt das Alleinstellungsmerkmal, das gewisse Etwas.