Review Loupedeck Lightroom Console

Wir haben uns Loupedeck, die USB-Tastaur für Lightroom, des gleichnamigen finnischen Herstellers mal genauer angeschaut.

Selten habe ich nach der Veröffentlichung im Sommer 2017 (unsere Vorstellung von 2016 ist verlinkt) ein Produkt häufiger in Timelines und Social Media Posts von Fotografen gesehen, als beim Loupedeck. Selten war ein Haben-Wollen-Effekt größer. In diesem Zuge hat man auch bewusster wahrgenommen, dass der Lightroom Workflow wohl verbesserungsfähig ist.

In der Theorie klingt das nach der perfekten Erweiterung, doch wie macht sich das Gerät in der Praxis. Loupedeck ist etwas kleiner als eine Full Size Tastatur, sieht optisch schlicht und elegant aus. Die Oberseite ist in einem matten Schwarz gehalten, die Seite und Unterseite in einem schlichten, matten Silber. Design und Verarbeitung sind hervorragend und könnten auch von einem großen kalifonischen Hard- und Softwarehersteller stammen. Die Knöpfe haben (bis auf unsere Brush-Taste) einen angenehmen und knackigen Druckpunkt, die Drehrädchen haben merkliche Abstufungen, welche aber auch gerne etwas härter sein dürften. Ausschließlich die Brush-Taste hat einen schwammigen Druckpunkt den man exakt drücken muss. Rotate/Crop ist von der Haptik – auch durch die Größe bedingt – der angenehmste Regler. Alles in allem ist die Hardware in Punkto Verarbeitung und Haptik hervorragend und meilenweit entfernt von einem Startup-Charakter.

Loupedeck startete ursprünglich als Crowdfunding Kampagne, das Ziel wurde dabei um das beinahe fünffache übertroffen. Unser Testmodell ist eines der finalen Geräte und weicht etwas vom Entwurf der Crowdfunding Kampagne ab.

Loupedeck bietet 58 Tasten und Dreh- und Scrollrädchen, über eine Fn-Taste sind viele Tasten doppelt belegt. Über eine Zusatzsoftware (Windows und Mac) lassen sich zudem einige Tasten sowie ein Rädchen frei belegen. Thematisch lassen sich die Bibliothek und das Entwicklungsmodul durch das Loupedeck abdecken.

Loupedeck Layout
Loupedeck Layout

Links unten befinden sich die Tasten für die Sternchen, über eine Umschalttaste lassen sich die Farblabels wählen (inkl. Lila, für das es keinen LR-Shortcut gibt). Darunter Kopieren/Einfügen der aktuellen Einwicklungen, die Fn-Taste, Auswählen/Ablehnen sowie eine Zoom Taste. Rechts unten befinden sich eine Zoom-Taste, sowie vier Pfeiltasten. Die deutliche Wiedererkennung der Farbmarkierungen macht es doch angenehmer als über die Shortcuts „6“-„9“ unter Adobe Lightroom zu arbeiten. Die Zoom Taste vergrößert die Bildmitte und nutzt den voreingestellten Vergrößerungsfaktor. Ein Mehrwert zum „ins Bild klicken“ oder der Z-Taste ist nicht vorhanden. Auch dass diese Taste als einzige doppelt vorhanden ist, macht diese nicht wirklich sinnvoller. Besser wäre es bspw. gewesen, wenn sich die Zoom-Tasten zumindest mit einem bestimmten Vergrößerungsfaktor belegen ließen, wie zum Beispiel Links 1:1, rechts 1:2.

Auf der oberen Reihe liegen acht Tasten, die sich per Erst- und Zweitbelegung mit bis zu 16 Presets belegen lassen. Dabei lässt sich nur in der Konfiguration nachsehen welches Preset wo liegt, in der Praxis hilft dann nur das Gedächtnis, ausprobieren und ggf. mit Undo korrigieren. In der Bibliothek lassen sich die Entwicklungsfunktionen nicht verwenden, ebenso reagieren das Schnellentwicklungsfunktionen nicht. Ein Rädchen C1 sowie einige Tasten wie C2 und C3 lassen sich frei belegen und so lässt sich auf Knopfdruck in das Entwicklungsmodul springen, wo das Loupedeck seine volle Funktionalität entfaltet.

Die Basisfunktion wie Belichtung, Weißabgleich, Lichter und Tiefen, Schwarz, Kontrast, Klarheit, Sättigung etc. sind durch jeweils eigene Drehrädchen vertreten. Die Empfindlichkeit lässt sich in der Konfiguration einstellen und sind sehr angenehm zu verwenden. Ein Drücken des Reglers setzt diesen auf 0 zurück. Für HSL-Farbstimmungen lässt sich jeder Farbkanal über ein eigenes Scrollrad verwenden, per Taste lässt sich zwischen Farbton/Sättigung/Luminanz umschalten, eine kleine LED zeigt den aktuellen Modus an.

Das Loupedeck hinterlässt im Großen und Ganzen einen ausgezeichneten Eindruck. Sobald man sich dran gewöhnt, geht das Werkzeug in den natürlichen Workflow über. Dadurch dass es relativ kompakt ist, ist es auch Unterwegs mit dabei um Bilder am Laptop – sonst mit Touchpad – zu sichten, und zu bearbeiten. Man gewöhnt sich so schnell daran, dass man, ist es mal nicht verfügbar kurz innehält um zu überlegen wie man bspw. die Tiefen mal schnell aufhellen kann. Es sind wenige Kleinigkeiten, die diesen Gesamteindruck trüben, einige Tasten die man nicht braucht oder lieber „anders hätte“ lassen sich leider nicht umbelegen und konfigurieren – wie die doppelte Zoom-Taste. Ich persönliche nutze neben den Sternen zur Bewertung häufig den Reject-Haken und sogut wie nie den Pick-Haken, ersterer ist leider nur über Fn+Pick erreichbar. Ideal wäre, wenn man diese Vorauswahl per Softwarekonfiguration setzen könnte. Zum Thema Ergonomie gibt es einen Punkt der mich stört, verwendet man die oberen Tasten oder die ebenfalls flachen HSL-Rädchen muss man über die anderen, erhöhten Drehräder hinweg greifen. Angenehmer wäre daher vielleicht wenn die erhöhten Regler daher weiter hinten wären und die flachen Rädchen weiter vorne.

Zu bedenken ist zudem, dass das Loupedeck ausschließlich unter Lightroom funktioniert. In anderen Programmen bietet es keinerlei Funktionen, so lässt sich unter Windows keine Lautstärkeregelung mappen, unter Adobe Bridge keine Bilder markieren, nicht mal die Pfeiltasten funktionieren. Fairerweise wird das auch nirgendwo angedeutet. Positiv ist anzumerken, dass die Software während unseres Zeitraums mehrere automatische Updates erhielt, die auch neue Funktionalitäten bieten. So ließen sich nach einem Update die Geschwindigkeit und Empfindlichkeit der Drehräder einstellen.
Ich gestehe, ich persönlich nutze Lightroom soweit es geht über Tastaturshortcuts, selbst im Entwickelnmodul geht vieles mit Shortcuts oder direkter Zahleneingabe einfach von Hand. Mit Loupedeck gibt es allerdings einen deutlichen Komfortgewinn. Parallel Tiefen und Schwarz zu korrigieren und dabei die Belichtung im Blick zu behalten ist mit Loupedeck keinerlei Aufwand.

Loupedeck Fazit

Ob der Workflow dabei schneller vonstatten geht muss jeder für sich probieren, für mich persönlich war die Zeitersparnis minimal aber der Komfort deutlich größer. Zu betonen ist, Loupedeck soll weder Tastatur noch Maus ersetzen, stattdessen beide Mittel ergänzen. Das gelingt voll und ganz, zu beachten ist jedoch der etwas heftige Preis von knapp 300 Euro. Loupedeck ist ein sehr interessantes Produkt und für seine erste Generation bereits ein fantastisches Tool. Kann der Hersteller an den Kleinigkeiten und auch an der Preisschraube drehen wird es unverzichtbar.

Loupedeck erhält das BusinessGadgets Testurteil „Sehr gut“.

Skala: Ausgezeichnet – Sehr gut – Gut – Befriedigend – Ausreichend - Durchgefallen

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