Testbericht: Leica X Vario

Die Leica X Vario ist eine Kompaktkamera mit festem Objektiv und APS-C Sensor. Wir haben uns die X Vario (Typ 107) genauer angesehen.

Die X Vario – welche in Deutschland hergestellt wird – ist im Juni 2013 erschienen und ist für einen Straßenpreis von ca. 2400 € erhältlich. Leica bezeichnet die X Vario zwar als Kompaktkamera, spiegellose Systemkamera ohne Wechselobjektiv wäre jedoch die präzisere Bezeichnung. Die technischen Daten im Kurzüberblick: Leica Vario-Elmar 1:3,5-6,4/18-46 mm Objektiv (entspricht 28-70mm Kleinbild), APS-C CMOS Sensor (23,6 x 15,7 mm) mit einer maximalen Auflösung von 4928×3264 Pixel (16 MP, 3:2), Blendeneinstellung von 3,5 bis 16 (bei 28 mm) bzw. 6,4 bis 16 (bei 70 mm), ISO Bereich 100 – 12500. 3,0“ TFT-LCD Display auf der Rückseite. Weitere Daten sind der Herstellerwebseite zu entnehmen.

Eins vorneweg, die Leica X Vario ist was Design und Verarbeitung angeht, eine der schönsten und elegantesten Kameras die ich jemals in die Hand nehmen durfte. Das Gehäuse aus Magnesium und Aluminium bietet eine Verarbeitung, welches seinesgleichen sucht. Andere Hersteller bauen zwar auch Kameras mit sehr guter Verarbeitung, Leica spielt hier jedoch in einer eigenen Kategorie. Neben einer einwandfreien technischen Verarbeitung, gefällt uns das reduzierte und schnörkellose aber doch etwas Retro-angehauchte Design. Beispielsweise hat das Gehäuse eine unauffällige Struktur die an Leder erinnern soll, diese ist jedoch in das Magnesiumgehäuse gefräst. Als weiteres Beispiel soll der mitgelieferte Kameragurt dienen. Zwei bekannte japanische Hersteller liefern einen relativ breiten Gurt der mit dem Herstellernamen und oft auch mit dem Kameramodell bedruckt ist. Leica setzt dagegen auf Understatement und liefert einen unauffälligen Lederriemen mit.

Die Größe der X Vario ist mit der Canon EOS 550D vergleichbar, dabei ist die Leica jedoch dünner. Uns gefällt, dass die Leica auf der Oberseite zwei manuelle Drehregler für die Blende und die Belichtungsdauer hat. Dadurch lässt sich einfach zwischen Vollautomatik, Blenden- bzw. Belichtungsautomatik und dem Manuellen Betrieb wechseln. Auch der zweite Auslöser zum Starten und Beenden von Videoaufnahmen fällt positiv auf. Das Aluminium-Magnesium-Gehäuse wirkt leider etwas rutschig, hier hätten wir uns einen Griff gewünscht, wie ihn andere Hersteller verbauen. Ansonsten liegt die Kamera mit ihren 628g (inkl. Akku) sehr angenehm in der Hand. Die Bedienung verläuft problemlos, das Menü ist intuitiv. Die Leica bietet zwar eine Vierwege-Navigation, der mittige Knopf dient jedoch nicht als OK/Enter-Taste, dieser liegt auf der gegenüberlegenden Seite. Eine einhändige Bedienung wird dadurch erschwert.
Dreht man den Fokusring vom Autofokus auf den manuellen Modus, wird auf dem Bildschirm ein vergrößerter Ausschnitt eingeblendet, welches das manuelle Fokussieren deutlich erleichtert. Der Autofokus ist relativ schnell – jedoch langsamer als ein USM – arbeitet jedoch recht zuverlässig. Leider lässt sich das AF-Feld nicht bewegen oder manuell auswählen. Sehr schade.

Bei Tageslicht bzw. guten Lichtbedingungen und niedrigen ISO Werten, liefert die Leica X Vario einwandfreie Bilder. Erst ab ISO 1000 ist hier ein leichtes Bildrauschen wahrzunehmen. Bei unseren Tests haben wir überdurchschnittlich viele verwackelte Bilder entdeckt, unter den technischen Daten und im Handbuch konnten wir keinen optischen Bildstabilisator entdecken. Die Kamera bietet jedoch einen digitalen Bildstabilisator, der eher für statische Motive geeignet ist. Bei Nachtaufnahmen war bei ISO 1600 vor allem bei voller Größe ein deutliches Rauschen wahrzunehmen. Vor allem bei Nachtaufnahmen hätten wir uns daher ein lichtstärkeres Objektiv gewünscht.

Im Allgemeinen liefert die interne Bildverarbeitung eine gute Leistung. Im direkten Vergleich der JPEG Dateien zu den RAW Dateien sind jedoch dabei deutliche Unterschiede zu sehen. Farben haben in den RAW Dateien eine höhere Sättigung, die JPEGs wirken im direkten Vergleich überraschend blass. Weiter fällt vor allem bei Architektur- und Landschaftsaufnahmen auf, dass bei den JPEGs eine deutliche Objektivkorrektur durchgeführt wurde (siehe erstes Beispielbild). RAW Aufnahmen alleine sind nicht möglich, es ist nur möglich JPEG oder JPEG und RAW speichern zu lassen. Positiv ist die digitale Rauschunterdrückung hervorzuheben, diese leistet eine gute Arbeit. Detailverluste halten sich dabei in Grenzen.

Die Leica X Vario nimmt Videos in Full HD Auflösung bei 29,97fps auf. Die Bildqualität ist gut, uns gefällt vor allem, dass der Autofokus bei Videos automatisch und zügig nachfokussiert.

Vergleich zwischen RAW und JPEG

1200 Pixel Ausschnitt des linken Rands, vergleiche roter Rahmen: Raw Aufnahme links, JPEG Aufnahme in der Mitte. Die rechte Aufnahme zeigt das vollständige Bild (jpg). Freihandaufnahme, 1/15s, F/3,5, ISO 1600, 18mm Brennweite

Beispielbilder Leica X Vario

1/60s, F/5,6, ISO 320, 36mm Brennweite

Beispielbilder Leica X Vario

1/500s, F/3,5, ISO 1600, 18mm Brennweite, manueller Fokus

L1080092

1/40s, F/4,5, ISO 125, 24mm Brennweite

L1081286

1/2s, F/11, ISO 1600, 18mm Brennweite

Beispielbilder Leica X Vario

1/30s, F/3,5, ISO 1600, 18mm Brennweite

Fazit

Ich war lange nicht mehr bei einer Kamera derart hin und hergerissen. Einerseits macht die Leica X Vario wirklich Spaß. Hat man sich erst an das Handling der Leica und beispielsweise an die zwei Drehregler gewöhnt, wundert man sich – überspitzt dargestellt – warum bei anderen Hersteller nur ein Drehregler verwendet wird. Andererseits ist das Objektiv leider nicht das lichtstärkste. Fotografen mit höheren Ansprüchen an die Bildqualität werden vermutlich mit der Bildqualität unzufrieden sein. Für Fotografen, die die Kamera als primäres Arbeitsgerät nutzen wollen, würden wir daher weiterhin zu einer DSLR raten. Fotografen, die jedoch eine hochwertige und kompakte Zweitkamera einsetzen möchten, können wir die Leica X Vario empfehlen. Zu bedenken ist jedoch, dass es Kameras mit einem besseren Preis-Leistungsverhältnis gibt.