Bieten Sicherheitskameras wirklich Sicherheit?

Bieten Sicherheitskameras wirklich Sicherheit?

Mit diesem recht reißerischen Titel könnte man schnell meinen, dass ich alle Sicherheitskameras verteufeln will und schlecht mache. Mit meinem Kommentar möchte ich nicht über die professionelleren Produkte herziehen, sondern eher auf die Produkte eingehen, die dem unbedarften Anwender als Sicherheitswunderwaffe angepriesen werden. Wird damit mehr suggeriert oder sind die Produkte mehr als nur heiße Luft?

Angeboten werden diese Produkte über die einschlägigen Versandhändler und Flächenmärkte. Dabei möchte ich nicht gezielt auf einen Hersteller eingehen, sondern die Marketingversprechen der gesamten Branche beleuchten. Wann darf man eigentlich eine Überwachungskamera Sicherheitskamera nennen? Man versucht dem Kunden durch den Erwerb dieser Produkte ein gewisses Gefühl an Sicherheit mitzuverkaufen und das Gefühl zu vermitteln das eigene Heim zu sichern.

Jetzt überlegt mal jeder für sich, ob man es so toll findet, wenn eine fremde Person in die eigenen 4-Wände eingedrungen ist und erst dann von der Kamera erfasst wird. Das findet doch keiner so wirklich klasse. Ist das passiert, beschleicht einen doch direkt das gewisse Gefühl von Unsicherheit im eigenen Zuhause. Ob man dann noch zu Hause wohnen will, ist eine andere Frage.

Es ist einfach so, dass diese Produkte mehr Sicherheit vermitteln wollen als diese bieten können. Schauen wir uns doch einmal ein solches Produkt generell an. Nehmen wir als Beispiel einmal eine Cloud-basierte Innenkamera. Eine Innenkamera bedeutet erstmal, dass der Einbrecher schon in mein Haus eingedrungen sein muss. Somit hat der Einbrecher erstmal Zeit. Ist der Einbrecher dann durch die Kamera erfasst, wird die Kamera mich benachrichtigen. Was ist, wenn ich mein Handy nicht zur Hand habe? Oder kein Netz? Oder es nicht bemerke? Dann ist das Haus bzw. die Wohnung leergeräumt und der Einbrecher weg. Lediglich als Beweismittel wäre die Kamera brauchbar.

Genau diese Problematik hat die Branche erkannt und fängt an für die jeweiligen Systeme Outdoor Kameras anzubieten. Damit eine entsprechende „Sicherheit“ nicht in den eigenen 4-Wänden beginnt, sondern schon im Außenbereich. Sicherlich positiv, dass man die Problematik erkannt hat und darauf eingeht. Aber bieten auch diese Outdoorkameras die Sicherheit, die diese versprechen. Ich würde jein sagen. Man fängt zwar viel früher an sein Besitz zu schützen, aber eine Einbruchsabwehr ist immer noch nicht gegeben. Man ist weiterhin auf die Erreichbarkeit des Anwenders und sein Handeln angewiesen.

Ich halte das für sehr fahrlässig eine solche Verantwortung dem Besitzer aufzubürden, wenn man ein Sicherheitsprodukt verkauft. Von der Funktionalität und Verarbeitung sind diese Kameras keineswegs schlecht oder aus anderen Gründen nicht zu empfehlen. Viel mehr sollte jeder Einzelne sich ausführlich darüber Gedanken machen, wie das eigene Sicherheitskonzept aussehen soll. Vor allem ist wichtig sich zu überlegen, wie man konkret jemanden am gewaltsamen Eindringen hindert. Wer sich dabei unsicher fühlt oder keine Ahnung hat dem empfehle ich die örtliche Polizei zu kontaktieren und nach einer kostenlosen Beratung zur Einbruchsprävention zu fragen. Dann wird ein fachkundiger Polizeibeamter die Wohnung oder das Haus auf mögliche Schwachstellen begutachten und konkrete Vorschläge zur Verbesserung machen.

Mit dem Versprechen der Branche ein Produkt zu kaufen und dann seit man geschützt, liegt man falsch. Um mit diesen Kameras das eigene Heim perfekt zu überwachen, benötigt man mehrere Kameras. Rechnet man diese Kosten zusammen, wird das Ganze sicherlich auch nicht ganz günstig. Dementsprechend sollte man sich im Vorfeld ausführlich beraten lassen und auch einmal schauen, ob ein Schutz nicht anderweitig besser und günstiger umzusetzen ist.

Ich betrachte diese Produkte mehr als eine Ergänzung in einem Sicherheitskonzept oder für sich alleine als modernes Babyphone oder als Kamera für Haustiere.

Quelle Bild: Mike Mozart flickr