Fahrbericht: Cadillac ATS-V

Bei dem Namen Cadillac denken die meisten an typische Amikisten mit großvolumigen V8, einem butterweichen Fahrwerk, das einer heimischen Couchgarnitur Konkurrenz machen kann. Mit diesem Vorurteil räumt der ATS-V dermaßen auf, dass man doch sehr überrascht sein wird. Erst vor fünf Jahren kam die US-amerikanische Mittelklasse nach Europa. Damals noch mit weniger Akzeptanz im potenziellen Kundenkreis.

Mit dem ATS-V möchte Cadillac den europäischen Konkurrenten wie RS4, C63 und M3 Paroli bieten. Sichtet man diesen Cadillac zu ersten Mal in freier Wildbahn, ist man geneigt doch einen zweiten oder dritten Blick zu wagen. Mit seinem sehr maskulinen Auftritt, seiner geduckten Haltung  und der karbongefütterten Hutze ist der ATS-V doch etwas Besonderes. Die geschmiedeten 18-Zoll-Aluminiumräder füllen die Radhäuser gut, ohne unterdimensioniert zu wirken. Der gesamte Exterieur-Auftritt wird durch das Heck und das Vierrohr-Abgassystem abgerundet.

Wie bei solchen Performance-Limousinen findet sich im Innenraum des ATS-V viel Alcantara wieder. Nicht nur die Sitzflächen und das Multifuktionslenkrad sind mit Alcantara ausgeschlagen, sondern wird auch überall stilsicher als Dekor in Verbindung mit Karbon und Leder verwendet. Nach dem Platznehmen auf dem Fahrersitz hat man direkt das Gefühl in einem maßgeschneiderten Turnschuh Platz zu nehmen.

Im Innenraum gibt es einige Kritikpunkte. Die Bedienelemente der Klimaanlage, des Infotainment und alle weiteren Funktionen werden über berührungsempfindliche Sensoren bedient. Insbesondere ist die Kombination aus diesen Tasten und einen Hochglanzdekor ein Magnet für Staub und Fingerabdrücke. Auch im ATS-V sind Sport-Schalensitze wieder zu finden. Es handelt sich dabei um das Modell Recaro Mulan. Durch die Verwendung von Schalensitze geht Cadillac bei der Beinfreiheit für die Fondpassagiere ein Kompromiss ein und reduziert damit die Beinfreiheit erheblich. Aufgrund der abfallenden Dachlinie haben vor allem größere Personen mit den Einschränkungen der Kopffreiheit im Fond zu kämpfen.

Der Motor des ATS-V ist ein 3,6-Liter-Biturbo-V6 mit 470 PS und einem maximalen Drehmoment von 603 Newtonmetern bei 3.500 Umdrehungen pro Minute. Übertragen wird die Kraft von einer 8-Stufen-Automatik auf die Hinterachse. Über den Startknopf erwacht der Sechszylinder relativ unspektakulär ohne viel Röhren oder Donnern zum Leben. Obwohl es ein Biturbo-Motor ist, hat man nicht das Gefühl, dass die Antriebseinheit über ein Turboloch verfügt. Egal in welcher Lebenslage bleibt der Motorensound des ATS-V kernig, aber überwiegend zurückhaltend.

Mit den angegebenen 304 km/h gehört der ATS-V zu dem Klub >300. Um aus der Höchstgeschwindigkeit schnell wieder zum Stand zu kommen, verfügt der ATS-V über eine Brembo-Bremsanlage. Die Sechskolben-Anlage ist hervorragend dosierbar. Insbesondere bei einem amerikanischen Fahrzeug erwartet man jetzt einen exorbitant hohen Verbrauch. Auch wenn der ATS-V jetzt kein Vorzeigeobjekt für ein effizientes KFZ ist, so hält sich der Verbrauch für eine Sport-Limousine doch in Grenzen. Bei unserem Test sind wir den ATS-V mit einem Durchschnitt von 11,9 Liter gefahren. Damit lagen wir noch 0,5 Liter über der Werksangabe.

Im Vergleich zu seinen Mitbewerbern ist der ATS-V recht umfangreich ausgestattet. Insbesondere wenn das Sportpaket mitbestellt wurde. Neben aerodynamischen Modifikation erhält man das Driver-Awareness Paket. Im Einzelnen erhält man dann eine Abstandsanzeige, eine Verkehrzeichenerkennung, einem Fernlichtassistenten, einer Spurhalteunterstützung und einem Tot-Winkel-Assistent inklusive Querverkehrswarnung.

Sämtliche Parameter werden über das digitale und mehrfarbige 5,7-Zoll-Display zwischen Drehzahlmesser und Geschwindigkeitsanzeige sowie dem 8-Zoll-Farbdisplay mit Touchfunktion eingestellt. Das Infotainmentsystem mit dem Namen Cue habe ich Euch schon auf Youtube vorgestellt.

Angeboten wird der ATS-V ausschließlich mit dem bereits erwähnten Sechszylinder-Biturbo-V-Benzinmotor. Auch bei der Kraftübertragung hat man keine Wahlmöglichkeit, weil der Wagen ebenfalls nur mit einer 8-Gang-Automatik angeboten wird. Einzig bei der Karosserieform hat man als Kunde die Möglichkeit sich zwischen einer Limousine, die ab 69.900 Euro zu haben ist und einem 2.600 Euro teureren Coupé für 72.500 Euro.

Zusammengefasst ist der ATS-V eine Spaßmaschine mit hohem Alltagsnutzen und einer großen Portion an Individualität. Insgesamt weiß er sich mit seiner eigenwilligen und charakterstarken Signatur vom Mainstream seiner Konkurrenz abzuheben.

Bilder des Cadillac ATS-V