Fahrbericht: Nissan e-NV200

Bereits seit 2013 stößt Nissan mit dem e-NV200 als Elektrotransporter in das Segment der Nutzfahrzeuge vor. Nicht nur die Transporterversion wird als Elektromodell angeboten, sondern auch die Evalia Variante als Bus. Angetrieben wird der e-NV200 mit dem gleichen Antriebsstrang aus dem Nissan Leaf. Die Reichweite und Fahrleistung liegt somit auf dessen Niveau. Dabei handelt es sich mittlerweile um die kleinere Motorisierung mit 24 kWh. Hat der e-NV200 seine Berechtigung unter den Nutzfahrzeugen mit Verbrennermotor?

Dies ist sicherlich eine interessante Frage. Aber diese Frage lässt sich nicht pauschal anhand eines Modells beantworten, sondern man sollte im Vorfeld ein paar Überlegungen anstellen. Nur dann kann man sich konkret mit einem Modell auseinandersetzen. Eigentlich ist bei der Anschaffung eines Elektrofahrzeugs grundsätzlich nur eine Sache wichtig und das ist der Einsatzzweck. Sicherlich ist ein gewerbliches Elektrofahrzeug nicht geeignet im überregionalen Einsatz, sondern eher regional.

Beim Erstkontakt mit dem e-NV200 wird man äußerlich keinerlei Unterschiede zu den Modellen mit Verbrennermotor feststellen. Letztendlich unterscheiden sich die Antriebsvarianten dahin gehend, dass die elektrifizierte Variante des NV200 den Antriebsstrang samt Vorderachse vom Nissan Leaf übernommen hat. Der Elektromotor des e-NV200 erbringt eine Leistung von 80 kW (109 PS) und arbeitet per Frontantrieb. Die elektrische Leistung stammt aus einem Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 24 kWh. Möglich ist eine Reichweite laut NEFZ von 163 km. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 123 km/h. Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Motor den e-NV200 in 14 Sekunden. Geladen werden kann der e-NV200 an der Haushaltsteckdose in 10 Stunden, mit bis zu 6,6 kW an Typ 2 in rund 5 Stunden und an CHAdeMO (Schnellladung) in 30 Minuten zu 80 Prozent.

Vor allem bei einem Nutzfahrzeug nicht ganz unwichtig ist die Ladekapazität. Be einer Fahrzeuglänge von 4,56 Meter stehen genau 4,2 Kubikmeter Platz zur Verfügung. Für eine bequeme Beladung sorgt sicherlich auch die niedrige Ladekante von 52 Zentimetern. Zwischen den Radkästen sind 1,22 Meter und von Wand zu Wand 1,50 Platz. Die Höhe im Laderaum ist 1,36 Meter. Mit einer Laderaumlänge von 2,04 Meter hinter den Vordersitzen lassen sich auch zwei Euro-Paletten verstauen. Mit den optionalen, klappbaren Trennwänden ist mit einer maximalen Länge von 2,80 Meter auch genug Platz für eine Leiter.

Es ist allgemein bekannt, dass Kleintransporter bzw. Kleinbusse aufgrund Ihres Aufbaus einen hohen Schwerpunkt besitzen. Um diese Eigenschaft beim e-NV200 nicht weiter zu verstärken, hat Nissan die Batterie mittig im Bodenbereich des Fahrzeugs untergebracht. Im Inneren präsentiert sich das Fahrerhaus recht nüchtern und aufgeräumt. Aber auf den zweiten Blick täuscht das. Der e-NV200 verfügt über ein modernes Infotainmentsystem, welches wir euch ja schon vorgestellt haben, und ist zusätzlich mit der Carwings Telematikeinheit ausgestattet. Um sich als mobiles Büro zu präsentieren, kann der Beifahrersitz umgeklappt werden und dient somit als Schreibfläche.

Die bekannten Assistenzsysteme aus den Verbrennern sind auch bei diesem Modell mit an Bord. Dazu zählen unter anderem Airbags, das ABS mit elektronischer Bremskraftverstärkung, ESP, Nebelscheinwerfer, Regensensor, Geschwindigkeitsregelanlage mit Geschwindigkeitsbegrenzer oder die Rückfahrkamera inklusive Anzeige der Positionslinien für optimales Einparken.

Angeboten wird der e-NV200 in vier Ausstattungslinien (PRO, PRO+, COMFORT und Premium). Mit der Variante „Pro“ als Einstiegsversion geht es für 20.352 Euro netto mit Batteriemiete los in die Welt des e-NV200. Die Einstiegsvariante umfasst eine Schiebetür statt möglicher zwei, Stahlränder mit Radblenden und einen Typ 1 Ladeanschluss für Wechselstrom mit bis 3,6 Kilowatt. Je nach Laufzeit und Laufleistung variiert die Batteriemiete zwischen 73 Euro und 126 Euro. Möchte man die Batterie lieber kaufen als mieten, so muss man für die Pro Version 25.310 Euro zzgl. MwSt. bezahlen. Im direkten Vergleich kostet die Verbrennervariante in der Pro Version 14.810 Euro zzgl. MwSt.

In der höchsten Ausstattungslinie „Premium“ bietet Nissan den e-NV200 u.a. mit Geschwindigkeitsregelanlage, Infotainmentsystem mit Carwings, Rückfahrtkamera, CHAdeMO Schnellladeanschluss und elektrisch einstellbaren Außenspiegeln an. Letztendlich eigentlich unverständlich ist, dass man für eine Schiebetür auf der Fahrerseite selbst in der Premium Version noch einen Aufpreis bezahlen muss. Selbst wenn man diese Tür wählbar halten will, so könnte man das Aufpreisfrei anbieten. In der Premium Version kostet der e-NV200 24.570 Euro mit Batteriemiete und 29.528 Euro mit Batteriekauf. Die Preise sind zzgl. MwSt.

Einen Reichweitentest mit maximaler Zuladung haben wir nicht durchgeführt. Bei unseren Testfahrten konnten wir mit geringer Zuladung rund 120 km bei gemischter Fahrweise erreichen. Nach dieser Distanz stand noch eine ausreichende Restreichweite von 40 km laut Anzeige zur Verfügung. Sicherlich sollte jedem bewusst sein, dass die Reichweite pro 100 Kilo Ladung um drei Prozent sinkt und auch je nach genutztem Verbraucher eine weitere Reduzierung der Reichweite mit sich bringt.

Obwohl der e-NV200 uns sehr überzeugen konnte, bleibt das Modell wie alle anderen Elektroautos aktuell ein Nischenprodukt. Letztendlich heißt das aber nicht, dass der e-NV200 in einem Unternehmen keine Daseinsberechtigung hat. Persönlich sehe ich aktuell ein Elektrofahrzeug in einem gemischten Fuhrpark (Verbrenner und Elektro) gut aufgehoben. So ist die Flexibilität gewährleistet, auch einmal große Distanzen zurücklegen zu können.

 

Bilder des e-NV200