Review: Canon EOS 5Ds R

Im Frühjahr 2015 hat Canon mit der EOS 5Ds und 5Ds R zwei Spiegelreflexkameras vorgestellt, die sich durch eine hohe Bildauflösung auszeichnen. Die Canon EOS 5Ds und Canon EOS 5Ds R bieten einen Vollformatsensor (36 x 24 mm) bei einer Auflösung von 50 Megapixeln. Wir haben die Canon EOS 5Ds R für Sie getestet.

Zugegeben, wir haben lange gezögert ob wir die 5Ds bzw. 5Ds R testen wollten, aus einem banalen Grund. Unser Equipment, sowie unsere Anforderungen sind nicht für die hochqualitativen Ergebnisse der 5Ds R geschaffen. Wir testen nicht im Labor, wir testen in der Praxis, unter Echtbedingungen. Freundlicherweise hat uns Canon Deutschland auch die abbildungsstarken Objektive zur Verfügung gestellt, sodass wir dann doch noch neugierig geworden sind. Unser Testgerät, die Canon EOS 5Ds R unterscheidet sich nur durch den fehlenden Tiefpassfilter von der EOS 5Ds. Ein kurzer Überblick über die technischen Eckdaten:

  • Auflösung 50,3 Megapixel
  • Maximale Auflösung 8688 x 5792 Pixel
  • Vollformat/Kleinbild-CMOS Sensor (36x24mm)
  • 5 Bilder/Sekunde
  • Videoauflösung 1920×1080 bei 30 Vollbildern pro Sekunde
  • Zwei Speicherkarten-Slots, Compact Flash und SDXC
  • Canon EF Bajonett
  • 3,2 Zoll Displaydiagonale, 1,04 MP Displayauflösung
  • Display nicht dreh-/klappbar, ohne Touch-Funktionalität
  • Kürzeste Belichtungszeit 1/8000s
  • ISO Bereich 100-6400 (erweiterbar auf 50 oder 12800)
  • Kein integrierter Blitz
  • Größe 152x116x76mm
  • Gewicht inkl. Akku 920 Gramm
  • 61 Autofokusfelder, davon 41 Kreuzsensoren
  • Dual DIGIC-6-Bildprozessor
  • Staub und Spritzwassergeschützt, jedoch nicht Wasserdicht.

Die vollständigen technischen Daten finden sich bei Canon.

Die Kamera

Die gute Nachricht voraus, wer eine einstellige Canon nutzt wird mit der 5Ds R sofort zurechtkommen. Optisch sind die 5Ds/5Ds R sowie die Canon 5D Mark III so gut wie identisch, sie unterscheiden sich in Details. Die 5Ds R bietet einen USB 3.0 Anschluss an der Seite, während die 5D Mk. III den betagten USB 2.0 Anschluss nutzt. Das Gehäuse ist identisch zur Mark III, Canon nutzt wieder das Magnesiumgehäuse mit Abdichtungen gegen Spritzwasser und eindringenden Staub. Der angenehm große Griff ist wieder gummiert, der Auslöser befindet sich wie gewohnt auf dem Griff. Am Griff finden sich zudem die M-Fn-Taste sowie ein Einstellrad. Auf der Oberseite befindet sich rechts das Hilfsdisplay sowie drei jeweils doppelt belegte Tasten zur Einstellung von Weißabgleich, Art der Belichtungsmessung, Drive (Einzel- oder Serienbildaufnahme), Autofokusmodus (One Shot, AI Focus oder AI Servo), die Blitzbelichtungskorrektur und die ISO Taste. Die vierte Taste schaltet die Hilfsdisplaybeleuchtung ein. Die jeweiligen Parameter können über die Einstellräder geändert werden. Links befindet sich das Moduswahlrad sowie der Ein-Aus-Schalter. Auf der Rückseite befinden sich links vom Display am Rande neben der Vergleichsansicht, Bewertungstaste (Rate), Lupe, Play und Löschen auch die obligatorische Wiedergabetaste. Über dem Display sind Menü und Infotaste positioniert. Rechts vom Display befinden sich das angenehm große Hauptdrehrad mit mittiger Set-Taste, darüber finden sich wie gehabt im Quickmenü die Aufnahmeparameter ändern. Glücklicherweise verbaut Canon wieder den Joystick um im Menü zu navigieren sowie beispielsweise den Fokuspunkt zu verschieben, der AF-Modus Schalter der 7D Mark II, sowie der nagelneuen 5D Mark IV hat es leider nicht geschafft. Rechts oben als Daumentasten befinden sich wieder Video/Live-View Schalter, sowie die bekannten drei Tasten AF-ON, Belichtung speichern und die AF-Messfeldwahl. Auf der Unterseite befindet sich das Akkufach. Als Schnittstellen hat die 5Ds R einen Mikrofoneingang (3,5mm), einen Blitzsynchronanschluss und einen Anschluss für eine Kabelfernbedienung zu bieten. Ebenso sind ein Mini-HDMI-Ausgang und ein USB 3.0-Port vorhanden. Ein Kopfhöreranschluss ist nicht vorhanden. Unter dem Deckel auf der rechten Seite befinden sich je ein SD- und CF-Speicherkartenslot.

Kurzum, das hervorragende Handling sowie die sehr gute Verarbeitung der einstelligen EOS Spiegelreflexen ist auch hier wieder zu finden. Bei einem Body-Preis von knapp 3500 € ist das ehrlicherweise aber auch vorauszusetzen. Mit 920 Gramm Gewicht ist die 5Ds R nicht unbedingt ein Leichtgewicht liegt aber im gewohnten Bereich der Oberklasse SLRs. Die Objektive können hier eher ins Gewicht fallen.

Geschwindigkeit

Was bedeutet eigentlich 50 Megapixel? Eines unserer ersten Testbilder war ein Schnappschuss eines aufsteigenden Flugzeugs. Mit bloßem Auge waren keinerlei Details zu sehen, zur Hand war das 24-70mm Objektiv. Bei 70mm Brennweite und 100% Ansicht war das Livery des Flugzeugs deutlich zu sehen. Das Bild ist in voller Auflösung am Ende des Artikels zu finden. Kleiner Spoiler, mehrere erfahrenere Berufsfotografen waren von dieser Auflösung beeindruckt. Bei 50 Megapixeln deutet es sich eigentlich schon an, die Kamera kann unglaublich detaillierte Bilder wiedergeben, aufgrund der damit verbundenen großen Datenmengen ist die 5Ds R allerdings vergleichsweise gemütlich. Eine 7D Mark II oder selbst die 5D Mark III sind mit etwa 10 bzw. 6 Bilder/s schneller. Die 5Ds R schafft 15 Bilder in 3 Sekunden (5 fps in RAW) bevor sie je nach Speicherkarte buffern muss oder etwa 1,5 Bilder pro Sekunde aufnimmt. Im People-Fotografie Alltag reichte uns die Geschwindigkeit; für Sport- und Kinderfotografen ist die 5Ds R vermutlich zu langsam.

Autofokus

Die EOS 5Ds R bietet 61 Fokusmessfelder darunter 41 Kreuzsensoren, die Felder lassen sich unter anderem auch einzeln ansteuern aber auch gruppieren. Das Autofokusmodul ist eigentlich fantastisch, in der Praxis sind diese leider – wie immer – insbesondere in der Vertikale zu eng angeordnet. Hier soll die EOS 5D Mark IV die langersehnte Verbesserung bringen. Wie bei der 7D Mark II lässt sich das Autofokusverhalten anhand von sechs Szenarien („Cases“) anpassen, auch eine Feinjustierung für Objektive ist natürlich möglich.

Bildqualität

Kommen wir nun zum interessantesten Punkt, der Bildqualität. Meiner Meinung zeigt sich hier der große Unterschied zwischen unserem Einsatz in der realen Welt und den Labortests mancher Fachmedien. Labortests haben den Vorteil, dass sich Bedingungen reproduzieren und besser vergleichen lassen, wir fotografieren hingegen lieber Motive als Labore. Das wiederrum bedeutet, dass unsere Testbedingungen gerne mal unterschiedlich sind. Insbesondere bei einer Kamera mit dieser Abbildungsleistung ist die Rolle der Objektive nicht genügend zu betonen. Dank freundlicher Unterstützung von Canon Deutschland konnten wir auch hier das maximale rausholen. Vorneweg, ich fotografiere vor allem offenblendig und meistens mit vorhandenem Licht, meine Ansprüche an die Bildschärfe sind oft eine andere als beispielsweise die eines Studiofotografen der aus seinem Motiv eine maximale Bildschärfe herausholen möchte. Bei einem Peopleshooting gehe ich selten über Blende 4, oft arbeite ich offen 1.4, 1.8, sehr oft um 2.8 herum. Überspitzt formuliert, eine gewisse Unschärfe gehört also oft dazu. In der Regel trifft der Autofokus der Kamera das gewünschte Motiv, leider liegt es in der Natur der Sache dass bei unserer Arbeit der Fokus gerne mal daneben liegt (Fehlfokus, sowie Front- oder Backfokus), glücklicherweise hielt sich das bei unseren Testmodellen (Body sowie Objektive) im akzeptablen Rahmen. Wenn der Fokus jedoch sitzt, ergibt sich in der 100% Ansicht ein unglaublich scharfes Bild, hier zeigt sich dass die Objektive und die Kamera perfekt aufeinander abgestimmt sind. Jegliche Hautstrukturen sind zu sehen, man muss jedoch anmerken, dass das nicht immer gewünscht ist und oft in der Nachbearbeitung eine Mehrarbeit bringt. Insbesondere das EF 35mm f/1.4L II USM sticht qualitativ selbst auf diesem hohen Niveau positiv heraus. Für noch mehr Schärfe hat Canon den Bildstil „Feindetail“ integriert, laut Herstellerangaben wird nur hier das volle Auflösungspotential ausgeschöpft. Für unsere Szenarien war das eigentlich schon überschärft. In einigen frühen Testberichten von Fachmedien wurden Unschärfen auf Verwacklungen durch die hohe Abbildungsleistung, Erschütterungen durch den Spiegel und Beugungsunschärfen zurückgeführt. Einige Medien empfahlen auch ausschließlich dreistellige Auslösungszeiten (1/100s und kürzer) oder ein Stativ zu verwenden, das können wir ehrlicherweise nicht bestätigen. Ein schweres Objektiv ist in der Hand schwerer zu stabilisieren sein, aber die Kamera spielte während unseres Tests eine eher sekundäre Rolle. Mit dem EF 35mm f/1.4L II USM (760 Gramm, ohne Bildstabilisator) waren Bilder bis 1/60s Sekunde aus der Hand kein Problem.

Stichwort Objektive, zu bedenken ist, dass Schwächen von Objektiven bei der 5Ds R deutlicher zu sehen sind. Beispielsweise sind Chromatische Aberrationen des fantastischen und zurecht sehr begehrten 50mm 1.2 L USM mit der 5Ds R eher ein Thema als bei Kameras mit geringerer Auflösung, in der Regel lässt sich das dann in der Nachbearbeitung minimieren. Eine leichte Vignette bei Offenblende ist wahrzunehmen und insbesondere bei Weitwinkelaufnahmen ist auch eine tonnenförmige Verzerrung wahrzunehmen.

Eine positive Überraschung ist das sehr gute Low-Light bzw. Rauschverhalten. Bei ISO Werten von 800 ist Rauschen überhaupt kein Thema, bei Bildern in der Dunkelheit und einem ISO Wert von 6400 ist in der 100% Ansicht ein Rauschen deutlich sichtbar, in der verkleinerten Ansicht ist es absolut im Rahmen. Teilweise hilft hier ein Ausgleich durch extrem lichtstarke Objektive (in unserem Beispiel ISO 6400, f/1.2, 1/80s, Freihand) und ein damit verbundenes Herabsetzen des ISO Werts. Die 5Ds R ist zwar kein ISO Zauberer, man braucht aber keine Angst zu haben an der ISO Einstellungen zu drehen. Der Dynamikumfang der 5Ds R ist gut, nicht überragend, aber gut, liegt auf recht gutem Canon-Niveau, Zeichnung im Himmel bleibt erhalten ohne dass dunkle Details komplett verloren gehen.

Positiv hervorzuheben ist der neue und verbesserte Spiegelmechanismus, zum einen werden Vibrationen minimiert, die zu den befürchteten Wacklern führen können, zum anderen lässt sich die Spiegelvorauslösung konfigurieren. Die Wartezeit vor dem Aufklappen des Spiegels lässt sich zwischen 1/8 und 2s frei wählen.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Videofunktionalität kaum von der der Canon EOS 5D Mark III, auf den zweiten Blick zeigt sich auch, dass Canon keine Neuerungen der APS-C Topmodelle wie z.B. Dual Pixel AF zur sanften und schnellen Nachfokussierung integriert hat. Die 5Ds R bietet wie fast alle SLRs von Canon Full HD bei 24/25 oder 30 Vollbildern pro Sekunde. Die Bildqualität ist durchschnittlich, Details können andere Kameras – auch Modelle von Canon – besser wiedergeben. Durch den fehlenden Tiefpassfilter der 5Ds R können zudem Moiré Effekte auftauchen. Kurzum, als Videokamera ist die 5Ds R nicht optimal geeignet.

 

Fazit zur EOS 5Ds R

Eins stand vorher fest und wurde von Canon auch so beworben, die Canon 5Ds bzw. 5Ds R ist kein Allrounder, das bleibt weiterhin die 5D Mark III bzw. wird wohl die angekündigte 5D Mark IV. Für sich betrachtet ist die 5Ds R eine großartige Kamera, den nicht ganz idealen Videomodus lassen wir hier außen vor denn Videofilmer sind nicht die Zielgruppe dieser Kamera. Handling und Verarbeitung sind hervorragend. Die hohe Auflösung ist erstmal ein Alleinstellungsmerkmal der 5Ds / 5Ds R, damit verbunden sind allerdings viele Vorteile aber auch einige Nachteile. Die hohe Auflösung sorgt für eine selten gesehene Detailwiedergabe und unglaublich vielen Reserven bei der Bildbearbeitung. Der Hauptnachteil ist die große Datenmenge und die damit verbundene geringere Geschwindigkeit in der Kamera aber auch in der Postproduction. Ein Nachteil können die Anforderungen an die Objektive sein, das geht sogar soweit, dass Canon eine Liste mit geeigneten Objektiven veröffentlicht hat. Während unseres Tests können wir bestätigen, dass eine optimale Abbildungsleistung eben auch die entsprechenden High-End-Objektive benötigt.  Zu beachten ist eben auch, dass sich der Mehrwert gegenüber einer 5D Mark III ausschließlich über die Auflösung ergibt.

Die 5Ds R wird die Nische der Fotografen besetzen, die eine hohe Auflösung benötigen, die aber auch die vorhandenen Nachteile in Kauf nehmen können. Fotografen, die den Allrounder bzw. das Arbeitstier suchen, können wir guten Gewissens die anderen 5D Modelle empfehlen.

Unser Testurteil lautet „sehr gut“.

Skala: Ausgezeichnet – Sehr gut – Gut – Befriedigend – Ausreichend - Durchgefallen