Review: Leica Q (Typ 116)

Vollformatsensor, 22mm/f1.7 Festbrennweite und eine zeitlose elegante Optik. Klingt erstmal nach der perfekten Kompaktkamera für Streetfotografen, wir haben die Leica Q getestet.

Vor einem Jahr hat Leica die Kompaktkamera mit Vollformatsensor und lichtstarker 22mm-Festbrennweite vorgestellt. Optisch erinnert sie an die Leica M mit einem moderneren Touch, der Sensor bietet 24 Megapixel.

Die technischen Fakten im Überblick:

  • CMOS Vollformatsensor (36×24 mm)
  • Maximale Bildauflösung 6000×4000 Pixel, entspricht 24 Megapixel
  • 3,0 Zoll Displaydiagonale, 1.040.000 Pixel
  • Touchscreen
  • DNG RAW Format
  • SD-Karten Slot (SD, SDHC, SDXC)
  • Full HD Videoauflösung (1920×1080 Pixel bei 60p)
  • Digitaler Crop-Zoom 35/50mm
  • Elektronischer Sucher
  • ISO Bereich 100-12500 (50000 Erweiterbar)
  • WLAN und NFC sind vorhanden
  • 10 Bilder pro Sekunde bei JPEG Aufnahme, 4,6 Bilder pro Sekunde bei RAW Aufnahme für 14 Bilder.
  • Gewicht inkl. Akku ca. 650 g
  • Größe 130x80x93 mm

Weitere Details finden sich bei Leica auf der Webseite.

 

Die Kamera

Ein kleines Geständnis zum Anfang, auch wir sind kleine Spielkinder. Wir freuen uns immer über Post aus Wetzlar, denn man weiß, alleine schon das Auspacken ist eine Freude wie man in unserem Unboxing sieht. Kaum ein Hersteller weiß seine Produkte so gekonnt zu präsentieren wie Leica. Daher direkt an Leica, bitte macht so weiter!

Die Kamera selbst ist wieder eine typische Leica und besitzt eine elegante, zeitlose Optik. Wie eingangs erwähnt, erinnert sie stark an die legendäre M-Reihe von Leica. Statt eines Messsuchers ist allerdings ein elektronischer Sucher verbaut. Der Gehäusedeckel ist aus Aluminium, während der Kamerabody aus Magnesium besteht. Die Vorderseite ist von einer Lederoberfläche im Rautenmuster überzogen. Die Kamera ist für eine Kompaktkamera relativ groß, trotz der relativen glatten Oberfläche liegt die Kamera gut in der Hand. Größere Hände könnten sich jedoch eine griffigere Möglichkeit bspw. durch eine Wulst wünschen. Optional verfügbar ist ein Handgriff für die Leica Q den wir für den besseren Halt empfehlen. Die Verarbeitung ist leica-typisch hervorragend.

Oben auf dem Gehäuse befinden sich der Videoauslöser, ein Wählrad zur Auswahl des Auslösemodus, darin integriert ist auch der Auslöser zu finden. Links davon befindet sich ein Drehrad um die Belichtungsdauer zu steuern, die Abstände zwischen den einzelnen Einstellungen betragen dabei eine Blende. Passend dazu gibt es rechts von beiden Drehreglern ein weiteres Einstellrad um die Belichtungsdauer in Stufen von Drittelblenden (Zweidrittel Blende nach links und zweidrittel Blende nach rechts) zu ändern. Letzteres ist über der Daumenposition zu finden und in der Praxis perfekt zu erreichen. Links vom Hauptdrehrad befindet sich der Blitzschuh.

Am Objektiv befinden sich drei Einstellringe, mit dem vorderen wird die Blende verändert, mit dem mittleren wird manuell fokussiert und mit dem hinteren lässt sich zwischen Makro- und normalem Modus schalten. Im Makromodus beträgt die maximale Blende 2.8. Jede der Einstellmöglichkeiten bietet auch eine A-Position um die entsprechende Halbautomatik bzw. in der Kombination dann auch die Programmautomatik zu aktivieren. Über das rechte Einstellrad auf der Oberseite lässt sich dann eine Belichtungskorrektur einstellen.

Auf der Rückseite befindet sich der hervorragende elektronische Sucher in der linken oberen Ecke. Dieser ist angenehm hell und auch in der Sonne zu erkennen. Während unseres Tests reagierte der Sucher immer flüssig, links vom strahlenden 3,0 Zoll Touchscreen Display befinden sich die Funktionstasten der Leica Q. Wiedergabe, Löschen, FN, ISO und Menü. Die FN-Taste lässt sich mit einigen vorgeschlagen Funktionen belegen, wie beispielsweise die Belichtungsmessmethode oder dem Weißabgleich. Die Auswahl des AF-Modus lässt sich leider nicht schnell und einfach umschalten, hier ist leider ein Umweg über das Menü nötig. Rechts vom Display befindet sich ein Steuerkreuz mit mittiger Bestätigung.  Oberhalb vom Display befindet sich der digitale Cropmodus, eine in der Praxis doch sehr interessante Funktion.

Das gemeinsame SD-Speicherkarten- und Akkufach befindet sich auf der Unterseite. Der enthaltene Objektivdeckel ist erstmal eine Art Kulturschock zu denen der asiatischen Hersteller. Der Deckel der Leica besteht aus Metall mit gepolsterter Stoffinnenseite und vermittelt ein ganz anderes Niveau von Wertigkeit. Der Deckel wird aufgesetzt, sitzt aber leider relativ locker. In der Kameratasche ist dieser einige Male vom Objektiv gefallen, auch außerhalb der Tasche hat man Angst, dass dieser unterwegs verloren geht. Hier hätten wir uns eine bessere Lösung beispielsweise mit einer Verschraubung bzw. einem Einrasten gewünscht. Im Lieferumfang ist ein kleiner Ring enthalten, der auf das Objektiv aufgeschraubt wird und genau dieses Problem löst, der Deckel sitzt dann bombenfest. Ist der Ring allerdings aufgeschraubt lässt sich wiederum die Gegenlichtblende nicht aufsetzen. Ein integrierter Blitz ist nicht vorhanden.

Technik

Die Leica Q punktet erstmal mit zwei großen Vorteilen, der Vollformatsensor sowie die relativen kompakten Abmessungen. In der Praxis ist sie minimal größer als beispielsweise die Olympus OM-D bei deutlich größerem Sensor. Frühere Leicas die wir hier testen durften wirkten reduziert, dadurch allerdings ein wenig altbacken. Hier ist alles anders, die Q ist voll mit modernster Technik. Mittlerweile ist ein kostenloses Firmwareupdate auf die Version 2.0 herunterzuladen, neben vielen kleinen Neuerungen ist nun auch möglich neben JPEG und RAW+JPEG Aufnahmen auch nur RAW zu speichern. Von der Arbeitsgeschwindigkeit ist die Kamera sehr schnell, nur bei hohen ISO Werten (12500 aufwärts) scheint das Display leicht verzögert zu reagieren.

Die Serienaufnahme nimmt 4,6 Bilder pro Sekunde für 14-15 Bilder in reinem RAW auf, danach stockt die Aufnahme um zu puffern. Interessant, im Wiedergabemodus werden Serienbilder gruppiert. JPEG Aufnahmen liegen bei schnellen 10 B/S.

Der Bildstabilisator lässt sich über das Menü ein- und ausschalten und arbeitet hervorragend, Freihandaufnahmen von bis 1/8s waren in der 100% Ansicht scharf und ohne sichtbaren Verwacklungen.

Eine positive Überraschung im Praxiseinsatz war der Digitale Crop/Digitale Zoom der Leica Q. Durch Druck auf die kleine Taste oberhalb des Displays zoomt die Leica Q digital ins Bild. Dabei wird auf einen Bildausschnitt entsprechend 35mm bzw. 50mm geschnitten. Dabei reduziert sich die Bildauflösung auf 15,3 bzw. 7,5 Megapixel. Auch wenn ein digitaler Crop ohne größeren Aufwand auch im Nachhinein zu erledigen ist, haben wir das Feature ehrlicherweise recht häufig auch während der Shootings bzw. unterwegs genutzt. Interessanterweise arbeitet Leica non-destruktiv. Lightroom erkennt das freigestellte Bild und kann bei Bedarf auch das vollständige Bild wiederherstellen.

Passend zur Leica Q ist auch eine gleichnamige mobile App verfügbar, das Smartphone lässt sich einfach mit der Kamera per NFC verbinden. Die App kann die Kamera per WLAN fernsteuern sowie die Bilder der Speicherkarte in der Kamera wiedergeben. Beides funktionierte einwandfrei.

Autofokus

Die Leica Q besitzt mehrere Autofokusmodi, Mehrfeld- und Einzelfeldfokus, Verfolgungsmodus, Gesichtserkennung und Touch-AF. Beim Mehrfeldfokus hat man leider keinerlei Eingriffsmodus auf den Fokus, dieser stellt recht zuverlässig auf das nächste Objekt scharf. Mit dem Einzelfeldfokus lässt sich das Fokusfeld mithilfe des Steuerkreuzes frei auf dem Display bzw. im Sucher bewegen. Ein manueller Fokus mit automatischer Vergrößerung sowie Fokus-Peeking ist ebenfalls vorhanden und funktioniert einwandfrei. Der Autofokus arbeitet in den meisten Fällen sehr zuverlässig, bis zu akzeptablen Lichtbedingungen arbeitet der AF auch schnell.

Nur bei Videoaufnahmen arbeitet der AF nicht immer zuverlässig, zwischendrin ist gerne mal ein Fokuspumpen oder verstellen des Fokus zu sehen obwohl das Motiv statisch ist.

Bildqualität

Im Allgemeinen ist die Bildqualität sehr gut, bei niedrigen ISO Werten bzw. guten Lichtbedingungen gibt es nichts zu bemängeln, hier leistet der Vollformatsensor sehr gute Arbeit. Ab ISO 1600 ist ein leichtes Bildrauschen wahrzunehmen, bei doppeltem ISO Wert ist es als Körnung wahrzunehmen. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen kann man ISO 3200 noch nutzen, das Rauschen ist noch nicht störend, ISO 6400 lässt sich noch mit Einschränkungen nutzen. Höhere ISO-Werte sind nur noch im Einzelfall zu empfehlen. Details sind bei hohen ISO Werten noch zu erkennen, hier setzt Leica glücklicherweise auf eine geringere Rauschunterdrückung. Farben werden sehr angenehm wiedergegeben und zumindest unter Praxisbedingungen kaum verschoben. Objektivfehler wie chromatische Aberration spielen keine Rolle. Kamera sowie das lichtstarke Objektiv leisten hervorragende Arbeit und sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Fazit zur Leica Q

Keine der bislang von uns getesteten Leicas überzeugte in der Praxis wie die Leica Q. Sie bietet erneut das großartige Design, sowie die hervorragende Verarbeitung die man von einer Leica erwartet. Bislang ist die Leica Q jedoch die Kamera, die uns auch von technischer Seite am besten gefällt, da keine Kompromisse eingegangen werden, selbst Fokus Peaking ist vorhanden. Die Brennweite von 28mm ist wie geschaffen für Lifestyle- und Streetshoots, in gewissem Rahmen sind dank Offenblende auch Porträtaufnahmen möglich, trotz Vollformatsensor ist die Kamera immernoch kompakt und unauffällig genug um die Szenerie nicht zu stören. Handling und Bildqualität sind hervorragend und damit des Anspruchs eines Premiumprodukts gerecht. Fotografen im 28mm Brennweitenbreich können wir die Leica Q uneingeschränkt empfehlen.

Ich persönlich würde mir eine Kombination aus dem Body der Leica Q und wechselbaren Objektiven wünschen um Brennweiten meines Geschmacks nutzen zu können. Technisch würde eine solche Kombination manchen Systemkamerakonkurrenten in nichts nachstehen.

Die Leica Q erhält das Testurteil „Ausgezeichnet“.

Skala: Ausgezeichnet – Sehr gut – Gut – Befriedigend – Ausreichend - Durchgefallen