Review: Leica T (Typ 701)

Review: Leica T (Typ 701)

Vor einem Jahr testeten wir auf Business-Gadgets.net die Leica X Vario, die uns sehr positiv im Gedächtnis verblieben war. In der Zwischenzeit hat Leica ein neues System vorgestellt, dabei ist die Leica T (Typ 701) die erste spiegellose Systemkamera. Wir haben die Leica T für Sie getestet. Am Ende des Artikels finden Sie einige unbearbeitete Testbilder.

Hardware und Ergonomie

Mit der Leica T bricht der Hersteller aus Wetzlar mit seiner Tradition und möchte den Sprung in die Moderne wagen. Entnimmt man die Leica T aus ihrer aufwändigen Verpackung, wirkt die Leica T komplett anders als ihre Vorgänger. Das Design ist hochmodern und wurde in Zusammenarbeit mit Audi Design entwickelt. Das silberne Aluminiumgehäuse (der Body ist auch in schwarz erhältlich) ist minimalistisch gehalten und zugleich absolut elegant. Das Gehäuse wird aus einem Unibody-Aluminiumblock hergestellt und 45 Minuten von Hand poliert. Die Verarbeitung ist nicht nur gewohnt gut, nein, Leica legt noch eine Schippe drauf. Der Begriff „Edel“ wäre eine Untertreibung. Trotz modernem Design erkennt man die Formsprache von Leica. Das Gesamtgewicht von 640g inkl. 18-56mm Objektiv lässt sich angenehm tragen.

 

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Auf der rechten Seite befindet sich ein recht breiter Handgriff mit dem die T (Typ 701) sehr angenehm in der Hand liegt. Eine einhändige Bedienung wäre so möglich. Auf der aufgeräumten Oberseite befinden sich exakt zwei Knöpfe, der Auslöser und die Start-Stop-Taste für den Videomodus, der Hauptschalter (Ein-Aus-Blitz) und zwei unbeschriftete Drehregler. Zudem der Blitzschuh und ein interner Blitz (Leitzahl 4,5), der sich in das Gehäuse hineinschieben lässt. Auf der Rückseite befindet sich ein helles und scharfes 3,7 Zoll Touchdisplay. Ein heimliches Highlight sind die 16 GB interner Speicher, hier verdienen die Leica Ingenieure ein großes Lob. Auf der rechten Seite befindet sich eine Klappe unter der micro USB-Schnittstelle und SD-Speicherkartenfach zu finden sind. Einziger Kritikpunkt ist der Trageriegen aus Silikon, der regelmäßig an der Kleidung hängenbleibt und zudem Staub anzieht. Dieser passt weder von der Haptik noch vom Material zu dieser Kamera. Hier wünschen wir uns, dass Leica eine optional erhältliche Alternative anbieten würde. Positiv hervorzuheben ist wiederrum das neue Stift-System mit dem die Schlaufe an der Kamera befestigt und wieder gelöst werden kann.

IMG_0034rsDie Leica T nutzt als erste Kamera eine neue kachelbasierte Software, die über den Touchscreen geöffnet wird und Zugriff auf alle Kamerafunktionen bietet. Es fällt positiv auf, dass sich der Aufnahmemodus über einen ständig eingeblendeten Softkey umschalten lässt. Die Leica T bietet eine Programmautomatik, Zeit- bzw. Blendena
utomatik und einen Manuellen Modus. Zusätzlich ist auch eine Auswahl an Szenenprogrammen enthalten. In den Halbautomatiken lassen sich mit den beiden Drehreglern die Parameter verstellen, das innere Rädchen regelt ISO, das äußere Rädchen die entsprechend variable Einstellung wie die Blende bzw. die Belichtungsdauer. Im manuellen Modus regeln die Rädchen Blende und Belichtungszeit. Die ISO Einstellung wandert dann ins Menü. In der Praxis lässt sich so sehr angenehm arbeiten. In den meisten Fällen ist das Menü selbstklärend, die Favoriten lassen sich in einem Schnellmenü zusammenfassen. Nur zwei Kleinigkeiten störten uns: Ist die Kamera aufnahmebereit, ist am rechten Rand in der Mitte ein Kamerasymbol zu sehen. Anfangs hielten wir das für einen Auslöser und suchten vergeblich das Menü. Nach kurzer Zeit folgte glücklicherweise die Erkenntnis. Der zweite Punkt stört da schon eher. Der Wiedergabemodus lässt sich nur durch eine Wischgeste vom oberen oder unteren Rand nach innen öffnen. Leider ist diese Gestenerkennung nicht immer exakt und benötigte teilweise mehrere Versuche. Im Shooting kostet dies unnötig Zeit und Nerven. Hier hätten wir uns eine ständig sichtbare Taste gewünscht. Die Kamera benötigt ca. 2 Sekunden zum Einschalten.

Die technischen Daten im Schnelldurchlauf: APS-C Sensor mit 16,3 Megapixeln (Maximale Auflösung 4928×3264 Pixel bei einem Seitenverhältnis von 3:2). Aufnahmeformate JPG, JPG+DNG, MP4 für Videos. ISO Bereich 100-12500. Kontrastbasiertes Autofokussystem mit 1-Punkt, Mehrfeld, Spot, Gesichtserkennung und sogar Touch-AF. Ein Bildstabilisator ist im Foto- und im Videomodus vorhanden.

Für das T-System sind derzeit zwei Objektive, 18-56mm bei 1:3,5-5,6 und 23mm bei 1:2 verfügbar. Für Anfang nächsten Jahres sind ein 55-135mm / 1:3,5-4,5 und ein 11-23mm / 1:3,5-4,5 angekündigt. Über einen M-Adapter lassen sich etwa 20 M-Objektive an der Leica T nutzen. Laut Herstellerangabe unterstützt der Adapter Funktionen wie Belichtungsmessung, Zeitautomatik und manuelle Steuerung in vollem Umfang. Leica hatte uns freundlicherweise auch den elektrischen Sucher „Visioflex“ mit integriertem GPS beigelegt, dieser wird in den Blitzschuh gesteckt und überträgt anschließend das Displaybild. Technisch gesehen leistet dieser eine gute Arbeit, das Bild ist scharf und angenehm hell. Während unseres Tests hat dieser jedoch keine Rolle gespielt, da die Nutzung über das integrierte Display in der Praxis einfacher und daher ausreichend war.

Bildqualität

Kommen wir nun zum wichtigsten Thema, der Bildqualität. Wir haben die Leica T mit beiden verfügbaren Objektiven getestet. Die Leica T fokussiert mit beiden Objektiven recht gemächlich, dafür absolut lautlos. Es kann bis zu einer halben Sekunde vergehen, bis die Leica T scharf stellt. Alternativ lässt sich natürlich auch manuell scharfstellen, eine Lupe vergrößert dann den mittleren Bildausschnitt.

Bei niedrigen ISO-Werten und guten Lichtverhältnissen ist die Bildqualität sehr gut. Bildrauschen spielt keine Rolle, Farben und Schärfe sind sehr angenehm. Details sind an den Rändern sehr gut zu erkennen. Selbst das 18-56 liefert bei Blende 4 ein wunderschönes Bokeh (z.B. bei Makroaufnahmen). Auch unter Studiobedingungen mit vorhandenem und externem Blitzlicht liefert die Leica T eine hervorragende Bildqualität. Unser Funkauslöser von Hensel funktionierte einwandfrei. Chromatische Aberration war bei Details wie z.B. bei Blättern an Bäumen bereits deutlich zu sehen (ISO 100, F/3,5, 18mm), geometrische Verzerrungen spielten dank der internen Bildverarbeitung hingegen keine Rolle. In mittlerer Brennweite und bei 56mm ist die Chromatische Aberration deutlich geringer und fällt kaum noch auf. Ab ISO 800 ist ein leichtes Bildrauschen in JPEG zu sehen, bei ISO 1600 schon deutlich. Es fällt positiv auf, dass sich die interne JPEG-Bildverarbeitung zugunsten der Detailtreue sehr zurückhält. Das Bildrauschen wird sichtbar reduziert, ohne dass Details beeinträchtigt werden. Die Farbtreue ist sehr gut, Kontraste werden zurückhaltend wiedergegeben.

Die Festbrennweite 23mm/F2 liefert eine sehr ähnliche Leistung. Chromatische Aberration ist in den Ecken je nach Helligkeitsunterschiede mal stärker, mal schwächer zu sehen. Für eine Festbrennweite fehlt – insbesondere bei Offenblende – ein wenig Schärfe, auch wenn zielsicher fokussiert wurde. Für Reportagen ist die Brennweite ideal, für Portraits sind 23mm leider ungeeignet. Wir würden uns für die Zukunft ein 35 bzw. 40mm und vor allem ein 50mm Objektiv wünschen.

Die Leica T nimmt Videos in HD mit 720p bzw. FullHD mit 1080p bei 29,97 fps auf. Die Videoqualität bewegt sich im oberen Mittelfeld. Der Fokus liegt am Anfang recht genau, bei Kameraschwenks braucht die Leica T jedoch zu lange um den Fokus nachzuführen. Der Ton wird in Stereo und in sehr guter Qualität aufgezeichnet.

Fazit

Rein optisch betrachtet, ist die Leica T eine Klasse für sich. Design und Verarbeitung suchen ihresgleichen. Das Bedienkonzept per Touchscreen entspricht einer 180-Wende im Vergleich zur „klassischen Leica“ oder der Leica X Vario – und das im positiven. Die Bildqualität bei niedrigen ISO Werten weiß mit wenigen Einschränkungen zu gefallen. Insgesamt gefällt uns die Leica sehr gut, der Preis ist Leica-typisch und wird vor allem Liebhaber ansprechen. Wer noch M-Objektive besitzt wird eine ordentliche Auswahl an Objektiven vorfinden, Systemneulinge werden einige Festbrennweiten vermissen und vermutlich sehnlichst das Zoomobjektiv erwarten.

Von der technischen Seite ist die Leica T zu empfehlen, man sollte jedoch die etwas geringe Objektivauswahl und die hohen Anschaffungskosten im Hinterkopf behalten.

Bilder