Review: LG G4

Letzten Oktober hatten wir das LG G3 hier im Test, dabei war der Eindruck recht positiv. Heute werfen wir gemeinsam einen Blick auf den Nachfolger, das LG G4. Ist das das Flaggschiff auf das alle warten?

Optik & Hardware

Das LG G4 ist bereits im Handel verfügbar und ist bereits für ca. 500 € online erhältlich. Das G4 ist in dunkler Vorderseite und mit goldener, silberner und weißer Metalloptik auf der Rückseite erhältlich. Wem das zu gewöhnlich ist, für den gibt es in Rücken auch mit Lederüberzug in Braun oder Schwarz (laut LG Echtleder). Unser Testgerät war die braune Ledervariante. Optisch weiß das Gerät zu gefallen, die Frontseite ist reduziert und über dem großen 5,5 Zoll Display finden sich nur Status LED und Frontkamera. Das LG auf dem unteren Rand hätte gerne etwas unauffälliger bzw. dunkler sein können. Die Ränder links und rechts vom Display sind sehr schmal und gefallen bei der Bedienung. Ein-/Ausschalter und Lautstärkewippe befindet sich wie beim G2 und G3 unter der Hauptkamera auf der Rückseite. Die Androidsoftkeys sind auch wieder softwareseitig integriert. Eine separate Taste zum Auslösen der Kamera ist leider nicht vorhanden, stattdessen lässt sich eine Taste der Lautstärkewippe dafür belegen. Zur Kamera kommen wir jedoch noch später. Die Rückseite sind jedoch gewöhnungsbedürftig mit Lederbezug dürfte die Geschmäcker spalten. Auch wir waren skeptisch wie die Ledervariante optisch wirkt und sich im Alltag macht. Die Lederoptik wirkt elegant ohne aufdringlich oder gar prollig zu wirken. Das Leder ist gut verarbeitet und die Ziernaht verpasst dem Gerät ein zusätzliches optisches Detail. Wir gehen davon aus, dass sich das Leder mit der Zeit ein wenig abnutzt und dem Gerät eine individuelle Note verpasst. Das G4 liegt Dank abgerundeter Rückseite recht gut in der Hand, die Tasten auf der Rückseite sind jedoch gewöhnungsbedürftig.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die technischen Daten. Das G4 misst 148,9 x 76,1 x 9,8 mm bei 155 g. Wie das G3 auch verbaut LG im G4 auch wieder ein 5,5 Zoll Display mit Quad-HD-Auflösung (2560×1440 Pixel), Pixel sucht man hier vergeblich. Text, Symbole, Fotos sind glasklar und megascharf. Im Allgemeinen ist das Display auch schön hell, manchmal einen Tick zu hell. Glücklicherweise lässt sich dies einfach korrigieren. Verbaut ist ein Snapdragon 808 Hexacore Prozessor (2×1,8 GHz Cortex-A57 + 4x 1,44 GHz Cortex-A53) mit 3 GB RAM und 32 GB internem Speicher. Der Speicher lässt sich mit micro-SD Karten erweitern. Der wechselbare Akku hat eine Kapazität von 3000 mAh, der Akku lässt sich leider nicht kabellos per Qi Standard laden. Bis auf Kabelloses Aufladen und ein Wasserdichtes Gehäuse ist sonst alles verbaut was es heutzutage auf dem Datenblatt gibt. Selbst ein Infrarotport ist wieder verbaut, damit lässt sich das Heimkino per Smartphone steuern. Die Frontkamera löst mit stattlichen 8 Megapixeln auf, während die Rückkamera 16 Megapixel und einen Laser-Autofokus bietet. Selbstverständnis werden Videos auch in 4K aufgenommen. Kurzum, die Technik und die Verarbeitung sind eines Flaggschiffs absolut würdig. Nur die fehlende Wasserdichtheit und das nur nachrüstbare Qi-Wireless Charging hinterlassen winzige Spritzer auf der sonst makellosen Weste.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA OLYMPUS DIGITAL CAMERA LG G4

Software

Während unseres Testzeitraums war Android 5.1 die aktuell verfügbare Version, LG liefert eine minimal abgeänderte Firmware ab. Die Oberfläche UX 4.0 ist bunt, trotzdem schlank. Ohne überladen zu wirken. Optisch harmoniert sie wunderbar mit Googles Material Design. Im täglichen Betrieb läuft das G4 absolut flüssig, im 3D Mark Benchmark (Ice Storm Unlimited) erreicht das Gerät 18627 Punkte. Ein guter Wert, das LG G4 bleibt jedoch hinter dem aktuellen Flaggschiff von Samsung Galaxy S6 und aufgrund der höheren Bildschirmauflösung auch knapp hinter dem Sony Xperia Z3 Compact. Selbst mit mehreren geöffneten Programmen läuft das G4 immer flüssig. Interessant ist jedoch ein reproduzierbarer Fehler, steckt man das G4 im gesperrten Status an ein Stromkabel benötigt das Smartphone einige Sekunden um auf Displayeingaben zu reagieren. Mit offenem Homescreen reagiert das Gerät direkt.
Ein praktisches Feature ist das Smart Bulletin, ein optional einblendbarer Homescreen. Dieser enthält beispielsweise einen Fitnesstracker mit Schrittzähler, einen übersichtlichen Kalender mit Terminplan bzw. Agenda und ein Musikwidget. Ebenfalls enthalten sind Smart Settings mit denen bestimmte Aktionen automatisch durchgeführt werden können, z.B. WLAN einschalten sobald man zuhause ist. Leider sind die Aktionen nur bedingt praktisch, es ist bspw. nicht möglich das Handy auf Lautlos zu schalten sobald man im Büro ist. Andererseits ist dies beispielsweise bei Sony leider genauso der Fall. Erwähnenswert und in die Kategorie „kleine aber praktische Helfer“ sind KnockOn (auch bekannt als Tap-to-Wake) und GlanceView (auf Lumia Smartphones bereits jahrelang als Glance bekannt). Mit ersterem lässt sich das Smartphone per Doppeltipp wecken – mit dem Ein-/Ausschalter auf der Rückseite ein erheblicher Vorteil, mit GlanceView ist es möglich die Uhrzeit und verpasste Benachrichtigungen anzuzeigen (von oben nach unten wischen). Ein Fingerabdruckscanner ist übrigens nicht vorhanden.

Kamera

Ein besonderes Highlight ist die Kamera bzw. die Kamera App von LG. Der Autor ist langjähriger Nutzer der Lumias und insbesondere mit der Kamera sehr zufrieden. Eigentlich. LG liefert hier das heimliche Highlight ab, die verbaute Hauptkamera löst mit 16 Megapixeln auf – heutzutage eine fast übliche Größenordnung – und nimmt Videos in 4K auf. Die Kamera liefert eine Offenblende von 1.8 – das ist für ein Objektiv dieser Größe eine beachtliche Lichtstärke. Bei guten Lichtverhältnissen ist die Bildqualität gut, Details werden scharf abgebildet. Ein Rauschen ist in der Vollansicht jedoch bereits bei niedrigsten ISO Werten zu bemerken (ab ISO 50), in der Praxis fällt dies jedoch kaum ins Gewicht. Bei schlechteren Lichtverhältnissen liegt die Bildqualität dann auf besserem Kompaktkameraniveau, Bildrauschen ist ab ISO 800 deutlich wahrzunehmen. Für die täglichen Bedürfnisse erfüllt die Kamera alle Anforderungen, anspruchsvollere Fotografen haben ihre Kamera sowieso immer im Gepäck.
Die vorinstallierte Kamera-App von LG hingegen überzeugt uns auf ganzer Linie. Neben einer Automatik mit Modusvorwahl etc. gibt es einen Manuellen Modus der den Namen auch verdient. Jede Einstellung lässt sich manuell ändern. Sogar eine Belichtungsmesswertspeicherung (AE-L) ist vorhanden. An dieser Stelle möchten wir ein ganz großes Lob an die Entwickler aussprechen, wir hoffen dass dieses Beispiel weitere Nachahmer findet.

In der Galerie finden Sie einige unbearbeitete Beispielbilder

Fazit

Im oberen Preissegment hat man unter den aktuellen Flaggschiffen mittlerweile die Qual der Wahl. Mit dem LG G4 findet sich ein Smartphone welches in vielen Aspekten gefällt. Verarbeitung und Optik des Geräts gefallen, mit dem Lederrücken und den tastenlosen Rändern findet sich auch ein optisches Alleinstellungsmerkmal. Die inneren Werte wissen ebenfalls zu gefallen. Für die absolute Oberklasse fehlen jedoch die kleinen technischen Spielereien wie Qi-Charging oder ein Wasserdichtes Gehäuse. Wer ein aktuelles Flaggschiff oder beispielsweise das letztjährige LG G3 besitzt kann das G4 auslassen, hier darf man auf ein LG G4 Pro hoffen. Alle anderen erhalten ein Smartphone welches wir ohne Einschränkungen empfehlen können.