Review: Microsoft Surface Pro 4

In diesem Testbericht schauen wir uns das Microsoft Surface Pro 4 genau an, das Gerät wurde dabei unter Echtbedingungen als primäres Arbeitsgerät und auf Reisen getestet. LM7_3921Dieser Bericht wurde auf dem Surface Pro 4 geschrieben, Bilder wurden auf dem Surface Pro 4 entwickelt und bearbeitet. Uns wurde das mittlere Surface Pro 4 mit Intel Core i5 6300U (2,4 GHz Dual-Core), 8 GB RAM und 256 GB SSD Festplatte sowie dem neuen Type Cover zur Verfügung gestellt. Microsoft ruft im eigenen Store 1449 € inkl. Mehrwertsteuer zzgl. 149,99 € für das Type Cover auf. Der Pen ist enthalten.

Aufgrund des Preises, der Ausstattung und des Eigenanspruchs als Produktivgerät geht es in diesem Test nicht darum, ob das neue Surface einen 400 Euro Laptop zum Surfen und/oder ein iPad zum Surfen auf der Couch ersetzen kann. In diesem Test soll beantwortet werden, ob das Surface als ultramobiler Laptopersatz auch anspruchsvolle Aufgaben erfüllen kann. Der Autor ist als Fotograf viel unterwegs, möchte neben der Shootingvorbereitung zuhause (typischerweise Office, Onenote, Browsen und Mail), auch die Bilder auf einem großen zweiten Monitor mit dem Surface nachbearbeiten (Photoshop und Lightroom), unmittelbar nach den Shootings soll vor Ort / unterwegs auf dem 12 Zoll Display eine erste Sicherung, Vorsortierung und Entwicklung in Lightroom und Bearbeitung in Photoshop erfolgen. Dabei spielen Arbeitsspeicher, Festplattengröße und Geschwindigkeit eine große Rolle. Da viele Fotografen auch mit Capture One arbeiten, wurde auch Capture One angeworfen.

Um auf die 400 Euro Laptop Frage kurz einzugehen und ein Teilfazit vorwegzunehmen. Ich nutze das Surface seit dem Surface RT und bin mit Veröffentlichung des Surface Pro 3 auf selbiges gewechselt. Ja, das Surface kann auch einfaches Browsen und Textverarbeitung, hier drängt sich dann aber der Vergleich mit dem Sportwagen im zweiten Gang auf.

Gehäuse und Hardware

Auch die vierte Generation ist wieder hervorragend verarbeitet. Das Gehäuse besteht wieder aus mattem, silbernem Magnesium, das Tablet unterscheidet sich in diversen Details zum Surface Pro 3. Im Vergleich zum Vorgänger sind Länge und Breite identisch, das Surface Pro 4 ist jedoch minimal dünner (Abmessungen: 292,10 x 201,42 x 8,45 mm). Die vierte Generation ist um 14 Gramm leichter (786 g). Auf dem Surface Pro 4 fehlt nun der Homebutton der bei den Vorgängern immer etwas fehlplatziert wirkte. Dadurch konnte das Display auf eine Diagonale von 12,3 Zoll vergrößert werden. Das sehr angenehme 3:2 Seitenverhältnis hat Microsoft glücklicherweise beibehalten. Die Auflösung wurde weiter erhöht auf 2736 × 1824 Pixel (267 dpi), in Redmond bezeichnet man das Retina Äquivalent als PixelSense-Display. Wieder mit dabei sind ein MicroSD-Slot, ein vollwertiger USB 3.0 und ein Mini-DisplayPort Anschluss. Der Klappständer ist wieder stufenlos einstellbar und noch ein wenig stabiler. Das Display ist wieder hervorragend, in der höchsten Stufe sehr hell, blickwinkelstabil und gleichmäßig ausgeleuchtet.

Das Surface Pro 4 ist wieder in mehreren Ausstattungsvarianten verfügbar:

  • Intel Core m3 / 128GB / 4GB RAM (einzige Variante ohne Lüfter)
  • Intel Core i5 / Intel Core i7 der 6. Generation “Skylake”
  • 4 GB RAM / 8 GB RAM / 16 GB RAM
  • 128 GB / 256 GB / 512 GB

Weitere Details im Schnelldurchlauf, 5MP Front- und 8MP Rückkamera, 2,5/5 GHz WLAN Bänder, Bluetooth 4.0, 3,5mm Klinke, Helligkeitssensor, Intel HD-Grafik 520 (i5) bzw. Intel Iris (i7). Die vollständigen Technischen Daten finden sich bei Microsoft. Ein 3G/LTE Modus ist weiterhin nicht verfügbar.

Alles in allem hat man den gelungenen Vorgänger wieder in Details verbessert und die Hardware auf den neuesten Stand gebracht. Microsoft gibt eine Akkulaufzeit von bis zu 9 Stunden an, in der Praxis musste das Surface Pro 4 bereits nach 4 bis 5 Stunden wieder an das Ladegerät. 6-7 Stunden Akkulaufzeit waren jedoch bei einfacherer Nutzung drin. Der Stromsparmodus von Windows war deaktiviert.

Type Cover und Surface Pen

Die sichtbarsten Verbesserungen zeigen sich jedoch eher am neuen Type Cover und dem neuen Stift. Die gute Nachricht vorne weg, das Zubehör ist in beide Richtungen kompatibel. Das heißt das neue Type Cover und der Stift sind mit dem Surface Pro 3 kompatibel. Das alte Type Cover ist auch mit dem Surface Pro 4 kompatibel. Der Stift ist glücklicherweise immernoch im Lieferumfang enthalten, das Type Cover – von begrenzten Aktionen abgesehen – leider noch immer nicht. Die offensichtlichste und praktischste Neuerung, das Type Cover bietet nun voneinander abgesetzte Chiclet-Tasten. Indem die Seitenränder des Covers schlanker geworden sind, sind die Tasten angenehm groß, interessanterweise hat Microsoft die Anordnung der Zweitbelegungen bzw. Zusatztasten überarbeitet. Das Layout wirkt nun aufgeräumter, so ist bspw. die Lautstärke nun auch über die Tastatur einstellbar. Das Tippgefühl ist auf dem neuen Type Cover dank des etwas höheren Tastenhubs und der Chiclet-Tasten angenehmer, auch das Touchpad wurde überarbeitet und ist größer geworden. Auch wenn das Surface natürlich einen Touchscreen besitzt nutze ich beim Arbeiten das Touchpad deutlich öfter als das Touchscreendisplay. Während das Touchpad des Surface Pro 3 stellenweise zu klein war, ist das neue Touchpad genau richtig. Ohne Type Cover fühlt sich das Surface auch in der vierten Generation dennoch irgendwie unvollständig an. Wird das Surface Pro 4 an eine Dockingstation oder zweiten Monitor gehängt, kann auch eine USB- oder Bluetooth-Tastatur/Maus verbunden werden. Die Tastatur ist weiterhin beleuchtet.

Auch der Surface Pen wurde wieder weiterentwickelt. Die Spitze unterstützt nun 1024 Druckstufen und ist austauschbar. Der Stift besitzt nur noch eine Taste an der Seite und eine auf der Oberseite. Die gummierte Oberseite arbeitet nun endlich auch als Radiergummi, eine sehnlichst erwartete Neuerung, glücklicherweise haftet der Stift nun wieder magnetisch an der Seite des Tablets. Der Pen arbeitet einwandfrei zur Retusche in Verbindung mit Photoshop.

Software

Das Surface Pro 4 wird mit Windows 10 Pro ausgeliefert. Das Betriebssystem liefert einen Tabletmodus der manuell oder automatisch gestartet wird, sobald das Gerät den Bedienmodus wechselt, sprich man zwischen Laptop und Tablet wechselt. Im Tabletmodus sind die Buttons größer, der Desktop ist nicht mehr sichtbar und man kann spezifische Elemente wie Window Snapping nutzen. Den Eines-für-Alles-Ansatz unter Windows 8 hat man nun sinnvoll verfeinert und stellenweise getrennt. Dennoch lässt sich das Surface auch als Tablet im „Nicht-Tabletmodus“ ohne Probleme oder Einschränkungen nutzen. Seine Stärken kann das Surface ausspielen, wenn sich der Nutzer im Klaren ist was zu tun ist. Ein Beispiel aus der Praxis soll das verdeutlichen. Auf dem Sofa wird das Surface als Tablet (ohne Type Cover) zum Surfen und Mailen genutzt. Die integrierte Mail App erfüllt ihren Zweck hier zur einfachen Mailbearbeitung vollkommen, diese unterstützt sogar Exchange (Microsoft Exchange und Open-Xchange). Nutzt man das Surface als Notebook und ist Outlook installiert, lässt sich wiederrum das ausgewachsene Mailprogramm und klassisches Mehrfenster-Multitasking nutzen. Man hat also für jeden Zweck die passenden Werkzeuge. Unter Windows 8 hatten zahlreiche Programme – auch Windowseigene Menüs – Darstellungsprobleme mit der hohen dpi-Auflösung des Surfaces, glücklicherweise ist das bis auf wenige Drittanbieter-Ausnahmen kein Thema mehr. Der Windows Store ist immernoch der kleinste der drei Appstores obwohl mittlerweile die meisten großen Apps vorhanden sind. Appfreunde werden mit den anderen beiden mobilen Plattformen glücklicher. Ich erinnere allerdings gerne daran, dass das Surface jegliche Desktopprogramme von SAP bis hin zu exotischen oder branchenspezifischen Java-Anwendungen ausführen kann.

Praxiseinsatz

Beim täglichen Arbeiten im Browser, Mail und Office ist der Lüfter sehr ruhig. Die meiste Zeit kühlt das Surface passiv. Die Performance mit 8 GB und 256 GB Speicher ist hier überdimensioniert, selbst das Surface Pro 3 mit 4 GB RAM und 128 GB Speicher lief im Vergleich immer flüssig.

Interessant wird das Surface bei der intensiven Nutzung. Auftritt Lightroom. Zuhause wurde das Surface Pro 4 als Desktopersatz bspw. zur Bildbearbeitung genutzt. An das Surface wurde ein Monitor per HDMI angeschlossen, eine 2,5 Zoll Festplatte hängt per USB dran, Bluetooth-Tastatur und Maus dienen als Eingabegeräte. Die gute Nachricht, es funktioniert, sogar flüssig. Hängt man nun einen USB-Hub und ein zweites Gerät wie einen Cardreader dran kommt das Surface leider ins Schwitzen. Ich denke, dass das Gerät dann nicht mehr genügend Strom an die Anschlüsse liefert. Dieses Problem war leider schon beim Surface Pro 3 zu beobachten. In diesen Fällen wurde entweder eines der beiden Geräte nicht mehr richtig erkannt oder die WLAN Verbindung brach auf ein unzumutbares Niveau ab. Für diese Vollausstattung ist glücklicherweise das Surface Dock erhältlich, welches zusätzliche DisplayPorts und USB Anschlüsse bietet und dieses Problem elegant löst.

Der realistischere Praxisfall den das Surface Pro 4 hingegen mit Bravour meisterte ist das Arbeiten im Hotel bzw. Unterwegs. Die Nutzung von Lightroom und Photoshop auf dem Surface Display, mit einem Cardreader oder Externer Festplatte. Hier zahlten sich die 8 GB Arbeitsspeicher aus. Zu keinem Zeitpunkt fühlte sich das Surface träge oder überfordert an. Zu beachten ist allerdings, dass die Hardware in diesem Anwendungsfall voll gefordert ist und der Lüfter dann auch deutlicher, aber nicht störend zu hören ist.

Fazit

Es stellt sich teilweise immernoch die Frage wie man das Surface Pro 4 im Markt positionieren soll. Vor einer Generation lautete der Anspruch noch Notebooks und Tablets mehr oder weniger im Surface zusammenzuführen. Dieses Jahr stellte Microsoft parallel das Surface Book vor und der Anspruch lautet nun eher schlicht und ergreifend das Beste Surface zu bauen. Nun, das ist gelungen. Das Surface Pro 3 war ein wichtiger Meilenstein, die Schwächen der Vorgänger wurden behoben und das Surface nahm Fahrt auf. Microsoft bewies einen langen Atem und viel Geduld. Diese vierte Generation verfeinert die gelungene 3. Generation, das Ergebnis ist das beste Surface. Das Surface Pro 4 muss nicht mehr den Anspruch erheben das beste Notebook zu sein, diesen Kampf kann das Surface Book führen.

Das Surface Pro 4 kann die Nische der 2-in-1 Hybriden anführen. Wer ein gut ausgestattetes, leichtes und portables Arbeitsgerät sucht hat mit dem Surface Pro 4 eine sehr gute Wahl. Es ist zudem das beste erhältliche Windows Tablet. Wer hingegen ein klassisches Notebook sucht, könnte mit dem größeren Surface Book zufriedener sein.

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