Testbericht: Nokia 8 Sirocco

Nokia hat ein neues Smartphone-Top-Modell vorgestellt. Was immernoch überraschend vertraut klingt, ist dennoch ganz anders als vor einigen Jahren. Wir haben das Nokia 8 Sirocco getestet.

HMD Global Oy aus Espoo in Finnland darf seit ca. einem Jahr die Marke Nokia für Android Smartphones nutzen und tritt nach außen als Nokia Mobile auf. Nach einigen Modellen in der Mittel- und Oberklasse soll das Nokia 8 Sirocco das Flaggschiff der aktuellen Nokia Generation sein. Online ist das Nokia 8 Sirocco ab ca. 600 Euro zu finden.

 

Optik & Hardware

Der erste optische sowie haptische Eindruck vom Nokia 8 Sirocco weiß zu gefallen und ist sehr edel sowie wieder skandinavisch minimalistisch inspiriert. Das Gerät erinnert optisch an die Windows Phones der Lumia Reihe, wird aber durch abgerundete Displayränder abgerundet. Im Vergleich zu vielen anderen Smartphones sticht es positiv durch die eher kantige Form hervor. Die Vorder- und die Rückseite bestehen aus Glas und werden von einem Edelstahlrahmen zusammengehalten. Haptik und Verarbeitung sind hervorragend und stehen den „alten“ Nokias in nichts nach. Lautstärkewippe sowie Powertaste sind kaum ertastbar in die rechte Seite eingelassen. Der Vorteil der Eleganz ist beim blinden Ertasten der Tasten jedoch auch ein Nachteil.

Das Smartphone bietet eine Displaydiagonale von 5,5 Zoll im 16:9 Format. Das an den Seiten abgerundete OLED Display löst mit 1440×2560 Pixeln (534 ppi) auf. Die Farben sind OLED-typisch kräftig, ohne zu gesättigt zu sein. Beim Display fällt leider auf, dass die Farben am abgerundeten Rand sichtbar ins bläuliche abdunkeln. Das ist auch bei den von LG gebauten Displays im Google Pixel 2 XL zu beobachten, die Farbtreue ist bei den Samsung Displays im Galaxy S8/S9 deutlich besser gelöst. Ansonsten weiß das Display durch Helligkeit und Detailwiedergabe zu gefallen.

Unter der Haube stecken der letztjährige Topprozessor Snapdragon 835 mit acht Kernen, 6 GB RAM sowie umwerfende 128 GB interner Speicher. Ein microSD oder Dual SIM Karten Slot ist nicht vorhanden. Die Dual-Camera auf der Rückseite löst mit 12 Megapixeln auf, bietet zweifachen-optischen Zoom sowie Zeiss Branding. Auf den Namen „Pureview“ wird verzichtet, die Namensrechte liegen seit 2013 bei Microsoft. Nokia verzichtet leider auf den Kopfhöreranschluss, liefert aber einen Adapter sowie USB-C Kopfhörer mit, der 3260 mAh Akku kann auch kabellos nach Qi Standard geladen werden. Die vollständigen Daten finden sich auf der Webseite von Nokia Mobile.

Kamera

Die Kamera ist gut, mit aktuellen High-End Geräten kann sie leider noch nicht mithalten. Während bei Tageslicht gute, detailreiche Bilder entstehen, enttäuschen die Bilder oftmals bei Dunkelheit. Ein Rauschen ist deutlich wahrnehmbar, bei einigen Bildern verschwinden Objekte in der Entfernung in Pixelartefakten, während andere Bilder bei vergleichbaren Lichtbedingungen besser gelingen. Es scheint, dass es die Software teilweise noch gewisse Macken hat. Man kann hoffen, dass HMD eine Verbesserung der Software nachreichen kann. Die Nokia Kamera App bietet eine manuelle Steuerung, welche optisch und funktional an die Lumia Camera erinnert, leider werden bspw. RAW-Aufnahmen nicht unterstützt. Live-Bokeh, Zeitraffer sowie Zeitlupe werden unterstützt. Videos können bis in UHD/4K Auflösung aufgenommen werden. Die Kamera bildet dabei auch eine der nur wenigen Softwareveränderungen.

 

 

Software

HMD Global bzw. Nokia Mobile setzt mit den neuen Android Smartphones auf beinahe pures Android und ist damit Android One zertifiziert. Vom Hersteller wird das Betriebssystem – aktuell läuft das Nokia 8 Sirocco mit Oreo 8.1 – nur minimal angepasst, Apps von Drittanbietern werden nicht mitinstalliert. Android One Smartphones erhalten mindestens drei Jahre lang Sicherheitspatches sowie mindestens zwei Jahre Systemupdates. Damit bleibt das Nokia 8 Sirocco aktueller als vergleichbare Smartphones. Heute ist Stock-Android nicht nur ein Vorteil, einige Google-Anwendungen wirken spartanisch, einige Anwendungen wie Gmail oder Google Fotos sind nur auf das eigenen (Online-)Ökosystem ausgelegt. Während vor einigen Jahren Stock-Android noch als Schutz vor Bloatware angesehen wurde, wurde heute von vielen Herstellern die angepassten Android Versionen um einige sinnvolle Features erweitert. Glücklicherweise ist Android deutlich offener, sodass gewünschte Apps sich ohne Probleme installieren lassen.

Fazit

Bei dem Nokia 8 Sirocco handelt es sich um ein gutes Smartphone, vieles ist sehr gut umgesetzt und gefällt, dazu gehören die Optik, die flüssige Performance trotz Vorjahresprozessor sowie die großzügige Speicherausstattung. Auch die schnellen Android Updates werden ihre Freunde finden. Negativ fallen die teilweise schwachen Bilder sowie der relativ hohe Straßenpreis auf. Vielleicht gelingt das perfekte Rundum Paket mit der nächsten Generation, wir sagen dennoch Willkommen zurück!